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HSV-Frauen

20.02.26

So viel Nordderby steckt in den HSV-Frauen

Sieben gebürtige Hamburgerinnen, vielfache Derby-Erfahrungen und ein Hund namens Hermann – vor dem Duell mit Werder Bremen hat die HSV.de-Redaktion den Nordderby-Check im Team der Rothosen gemacht. 

Für die HSV-Frauen steht am Sonnabend das prestigeträchtige Nordderby gegen den SV Werder Bremen an (hier Tickets sichern). Im Hinrundenspiel unterlag der Bundesliga-Aufsteiger noch mit 0:2 an der Weser, nun sollen mit der geballten Unterstützung des heimischen Volksparkstadions wichtige Zähler im Kampf um den Klassenerhalt auf das eigene Konto gespült werden. Durch den jüngsten 4:0-Statement-Sieg bei der TSG Hoffenheim geht's für die Rothosen mit Rückenwind ins Duell mit dem Nordrivalen, das gleich für eine Vielzahl an Personen aus dem Team sowie dem Trainer- und Funktionärsstab etwas ganz Besonderes ist. 

So stehen mit den Spielerinnen Victoria Schulz (28), Svea Stoldt (20), Emilia Hirche (22), Paulina Bartz (20), Christin Meyer (25), Leni Eggert (17) und Jonna Wrede (17) gleich sieben gebürtige Hamburgerinnen im Kader der HSV-Frauen. Hinzu kommen mit Co-Trainer Eren Sen und der sportlichen Leiterin Saskia Breuer zwei weitere waschechte Hamburger hinzu. Qua Geburt ist die Neunergruppe also mit der Hansestadt und dem HSV aufgewachsen und verbunden. 

Für erstgenannte Victoria Schulz gilt das in besonderem Maße. Der Fußball und der HSV sind ihr durch ihren Großvater, HSV-Legende Willi Schulz, praktisch vererbt worden, wenngleich die Offensivspielerin eindrucksvoll ihre eigene Geschichte in den blau-weiß-schwarzen Farben geschrieben hat. Seit fast zwei Jahrzehnten trägt sie die Raute auf der Brust, durchlief dabei nicht nur sämtliche Jugendmannschaften des Clubs, sondern mit den HSV-Frauen auch die Aufstiege von der Regional- bis in die Bundesliga. Das Nordderby? Für die 28-Jährige seit jeher ein absolutes Highlight: „Ich kann mich noch gut an all die hitzigen Duelle erinnern, die ich als Kind vor dem Fernseher oder im Stadion verfolgt habe. HSV gegen Werder – das ist einfach das größte Spiel im Norden und ich habe mich immer die ganze Woche darauf gefreut.“ Umso besser, dass die Kreativspielerin ihre Sperre von zwei Spielen nach einem Platzverweis im Heimspiel gegen Freiburg abgesessen hat und für dieses ewige Duell wieder zur Verfügung steht.

Apropos zur Verfügung stehen: Svea Stoldt ist in dieser Saison die absolute Dauerbrennerin im Team der HSV-Frauen. Die defensive Mittelfeldspielerin absolvierte bisher jede der 1620 möglichen Spielminuten, ist damit ligaweit eine von nur vier (!) verbliebenen Dauerbrennerinnen. Stoldt stammt zudem wie Schulz aus dem eigenen Nachwuchs, wechselte als 14-Jährige vom TSV Glinde zum HSV. Das Nordderby? Auch für sie kein Spiel wie jedes andere: „In meiner Familie sind alle HSV-Fans, ich bin damit aufgewachsen. Für mich gab und gibt es im Norden nur einen Verein: den HSV. Entsprechend besonders war schon immer das Nordderby. Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich 2014 als Fan im Volksparkstadion das Nordderby gesehen habe. Damals ging es 2:0 aus, es herrschte eine Mega-Atmosphäre mit tollen Choreos. Es ist einfach ein unfassbares Spiel und zeigt, wer die Macht im Norden hat.“ Dass sie im DFB-Pokal-Halbfinale 2025 selbst vor so einer Kulisse spielen durfte, bleibt für Stoldt unvergessen: „Natürlich ist das eine Erinnerung, die ich immer mit diesem Spiel verbinden werde. Wir haben mit Bremen noch eine Rechnung offen: Sie kommen in unser Stadion, in unser Wohnzimmer. Dort wollen wir alles zeigen und geben, um dieses Mal als Sieger vom Platz zu gehen.“

Die Dritte im Bunde, die einer positiv verrückten HSV-Familie entstammt, ist Emilia Hirche – ihres Zeichens die erste Torschützin der HSV-Frauen im Volksparkstadion überhaupt. Beweis für die HSV-Verbundenheit gefällig? Der Familienhund hört auf den Namen Hermann, ist nach dem im Jahr 2014 verstorbenen HSV-Kultmasseur Hermann Rieger benannt, dessen Todestag sich am Mittwoch (18. Februar) jüngst zum zwölften Mal jährte. „Hermann ist ebenfalls mit dem Fußball-Fieber infiziert, bekommt wirklich jeden Abend einen Ball mit Leckerlis drin und muss dieses durch das Hin- und Herrollen des Balles herausbekommen. Da sieht man seine fußballerische Technik“, gibt Hirche mit einem Augenzwinkern preis.   

26 Jahre war Hermann Rieger einst für den HSV aktiv - hier haben die vier weiteren gebürtigen Hamburgerinnen noch ein Stück zu gehen, doch auch ihre bisherigen Wege sind spannend: Stürmerin Christin Meyer ist die einzige Akteurin im Kader, die auch schon einmal beim Nordrivalen unter Vertrag stand (2021-24), ehe sie im Sommer 2024 zu ihrem Jugendclub zurückkehrte und für diesen im DFB-Pokal-Halbfinale 2024/25 ebenso wie Schulz, Stoldt und Hirche das Nordderby auf der "richtigen Seite" spielte. Rückkehrerinnen sind letztlich auch Paulina Bartz und Jonna Wrede. Erstgenannte ist im Winter auf Leihbasis von Bayer 04 Leverkusen an die Elbe zurückgekehrt, Zweitgenannte feierte jüngst nach einjähriger Verletzungspause ihr Comeback und ihr Bundesliga-Debüt für die HSV-Frauen. Beide fiebern ihrer Nordderby-Premiere nun voll entgegen. Diese hat HSV-Youngster Leni Eggert bereits in der Hinrunde hinter sich gebracht und freut sich nun auf das Rematch.

Ein Nordderby auf höchstem Niveau und unter dem maximalen Brennglas der Öffentlichkeit erlebte während seiner fünfjährigen Zeit bei den HSV-Männern (2004-09) wiederum Ex-Profi Sascha Kirschstein (45). Der heutige Torwarttrainer der HSV-Frauen stand dreimal in der Bundesliga im Nordderby zwischen den Pfosten und verriet im Gespräch mit HSV.de: „Das waren natürlich absolute Highlight-Spiele. Ich habe diese aufgeheizte Stimmung geliebt. Ich habe die gegnerischen Fans sogar selbst angestachelt, damit sie noch mehr Druck machen. Ich war ja kein ruhiger Torwart. Mir hat es gefallen und es hat mich gepusht. Für mich gehört sowas zu einem Derby dazu.“ Assistenztrainer Eren Sen kann aus dem Trainerstab ebenfalls auf Bundesliga-Erfahrung bei den Männern zurückblicken, auch wenn ihm die große Nordderby-Erfahrung verwehrt blieb, und er „nur“ dreimal in der Regionalliga Nord im kleinen Nordderby gegen Werder II auflief.

Auf und neben dem Platz – die HSV-Frauen sind in puncto Nordderby-Erfahrung breit aufgestellt. Worauf kommt es also am Sonnabend an? Dazu sagt Saskia Breuer, ihres Zeichens Leiterin der HSV-Frauen und gebürtige Hamburgerin: „In einem mit so viel Emotionen und Geschichte aufgeladenen Duell wie dem Nordderby ist es immer wichtig, die richtige Balance in seinem eigenen Spiel zu finden. Ich bin mir sicher, dass die Mädels und das Trainerteam die richtige Mischung aus Energie und Besonnenheit finden werden, um gemeinsam mit den Zuschauern im Rücken für einen unvergesslichen Fußballnachmittag zu sorgen.“ Die HSV-Frauen und Hamburg sind bereit für das Nordderby!