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09.04.26
Thomas Doll: 60 Jahre Fußballreisender
Der ehemalige Spieler und Trainer der Rothosen feiert seinen runden Geburtstag. Über einen positiv verrückten Fußballer, der in vielerlei Winkeln der Welt immerzu begeisterte und seine Spuren hinterließ.
Vier Spielzeiten als Profi und fast sechs Jahre als Trainer: Thomas Doll stand insgesamt knapp ein Jahrzehnt in Diensten des HSV und avancierte aufgrund seiner leidenschaftlichen und identitätsstiftenden Art zu einer Vereinslegende der jüngeren Vergangenheit, die im vergangenen Jahr auf dem „Walk of Fame“ am Uwe-Seeler-Fuß aufgenommen wurde und heute ihren 60. Geburtstag feiert.
Dabei begann Dolls Geschichte nicht in der Hansestadt, sondern in der damaligen DDR, genauer gesagt im mecklenburgischen Malchin. Von dort aus führte ihn sein Weg unter anderem in den Nachwuchs von Hansa Rostock. Bei der Kogge bestach Doll als Ausnahmetalent, reifte anschließend beim BFC Dynamo zum DDR-Nationalspieler und vollzog in der Wendezeit als einer der ersten Spieler den Sprung in die Bundesliga.

In seiner Premieren-Saison beim HSV 1990/91 setzte er dann gleich ein dickes Ausrufezeichen: technisch brillant, mutig im Eins-gegen-eins und immer mit dem Blick für das Besondere – als quirliger Wirbelwind spielte sich „Dolly“ sofort in die Herzen der Fans und zugleich auf den internationalen Radar. So wechselte er nach nur einem Jahr in der Bundesliga für die damalige Rekordablöse von 15 Millionen D-Mark zu Lazio Rom in die Serie A, zu jener Zeit die beste Liga Europas. Zugleich schaffte er damit als erster ehemaliger DDR-Nationalspieler den Sprung ins Ausland.
Und wie so oft im Leben und im Fußball kehrte Doll über Stationen bei Eintracht Frankfurt (1994–96) und der AS Bari (1996–98) sieben Jahre später an seine alte Wirkungsstätte zurück. Und auch wenn die Beine nicht mehr ganz so leicht waren wie zu Beginn der 90er-Jahre, schlug sein Kämpferherz unverändert stark. Bis zu seinem Karriereende im Sommer 2001 absolvierte Doll drei weitere Spielzeiten für die Rothosen.
Nach insgesamt 83 Pflichtspielen als Profi für den HSV tauschte „Dolly“ nach seiner aktiven Laufbahn dann das Trikot gegen den Trainingsanzug und übernahm zunächst die U19 der Rothosen, bei der er seine Erfahrungen an die nächste Generation weitergab. Es folgten weitere Engagements für die zweite Mannschaft (2002–2004) und schließlich die Profis. Und auch hier schrieb er ein besonderes Kapitel: Mit Leidenschaft, Emotionalität und einem engen Draht zur Mannschaft formte er eine verschworene Einheit, die er vom letzten Tabellenrang sensationell ins internationale Geschäft und in der Folgesaison 2005/06 als Tabellendritter gar in die UEFA Champions League führte– zugleich die beste Bundesliga-Platzierung des HSV seitdem. Unterm Strich prägte Doll eine Zeit, die für viele HSV-Fans bis heute unvergessen bleibt.

Im Februar 2007 endete seine Zeit als HSV-Trainer, aber Doll blieb sowohl ein Fußballliebender als auch ein Fußballreisender: Ob bei Borussia Dortmund, in der Türkei, Saudi-Arabien, Ungarn oder später bei Hannover 96, auf Zypern und in Indonesien – überall versprühte er seine ansteckende Energie ebenso wie seine Idee von einem mutigen, offensiven Fußball. Besonders prägend war seine Zeit bei Ferencvaros Budapest, wo er zwischen 2013 und 2018 große Erfolge feierte, darunter eine Meisterschaft, drei Pokalsiege und den Supercup.
Die ungarische Hauptstadt ist dabei zu einer weiteren Heimat geworden und bildet bis heute seinen Lebensmittelpunkt. Dort lebt Thomas Doll heute mit seiner Frau und seiner jüngsten Tochter – noch immer ein begeisterter Fußballfan, auch wenn zugunsten der Familie das nächste große Fußballabenteuer zuletzt auf sich warten ließ.
Am heutigen 9. April, seinem 60. Geburtstag, bleibt also auch für den nimmermüden wirkenden Thomas Doll etwas Zeit und Ruhe, auf eine schon jetzt bemerkenswerte Lebensreise zurückzublicken. Für den HSV bleibt er dabei für immer einfach nur „Dolly“. Einer, der nie vergessen hat, wo er herkommt. Und einer, der für den HSV gebrannt hat – als Spieler wie als Trainer. Danke für deine Leidenschaft und viele unvergessliche HSV-Momente, Dolly!
