
Nachbericht
15.02.26
Choreo, Konter, Comeback: HSV stillt Verlangen
In ihrem 1887. Bundesliga-Spiel liefern die Rothosen die perfekte Antwort auf eine beeindruckende Fan-Choreografie: Königsdörffer trifft doppelt, Capaldo feiert seine Tor-Premiere und eine Szene wird zum Wendepunkt.
„Viele Spiele sind vergangen – noch immer spüren wir das Verlangen“, lautete die Botschaft der atemberaubenden Choreografie, die die HSV-Fans am Sonnabend (14. Februar) anlässlich des 1887. Bundesliga-Spiels der Rothosen auf die Beine gestellt und über die Fläche von gleich zwei Tribünen präsentiert hatten. Und dass jene 1887. Partie im Fußball-Oberhaus dieses Verlangen für den Moment stillte, dafür sorgten die Protagonisten auf dem Rasen in einem über 90 Minuten umkämpften Spiel gegen den 1. FC Union Berlin mit einem 3:2-Heimsieg.

Beeindruckende Bilder
Die HSV-Spieler staunten nicht schlecht, als sie beim Einlaufen ins Rund in ein blau-weiß-schwarzes Farbenmeer blickten, und zeigten, davon angesteckt, in der Anfangsviertelstunde gleich Tatendrang. Mit 6:0 Torschüssen starteten die Hamburger in die Partie, verpassten aber trotz guter Einschussmöglichkeiten die frühe Führung. So waren es die Köpenicker, die durch einen verwandelten Foulelfmeter von Leopold Querfeld in der 28. Minute mit 1:0 in Front gingen und sich als Partycrasher anschickten.
Doch die Rothosen hatten bereits sieben Minuten später die richtige Antwort parat und erzielten mal wieder per Konter den 1:1-Ausgleich, als Vieira, Glatzel und Königsdörffer im Triumvirat die Hälfte des Platzes überbrückten und in dieser Abfolge den Treffer herbeiführten. Ebenfalls per Kontertor – dem dann neunten in dieser Saison – und erneut durch Königsdörffer sorgten die Hamburger auch in der Schlussphase mit dem 3:1 für die Vorentscheidung (82.). Der Doppelpacker und Matchwinner traf damit so oft wie an den ersten 21 Spieltagen zusammen – ein klassischer Knotenplatzer. Oder wie Startelf-Comebacker und Sturmkollege Robert Glatzel nach dem Abpfiff resümierte: „Es waren sicherlich keine einfachen Wochen für ihn, und dann ist es irgendwie typisch Stürmer: Er hat letzte Woche bereits getroffen und auch heute der Mannschaft mit seinen Toren geholfen.“

Spielentscheidende Szene
Dass der HSV zu diesem Zeitpunkt wie der sichere Sieger aussah und sich auch durch den späten 2:3-Anschluss durch Ilic (89.) nicht mehr vom dreifachen Punktgewinn abhalten ließ, hatte mit einer irren Sequenz kurz vor dem Pausenpfiff zu tun: Nachdem sich Heuer Fernandes beim Rauskommen verschätzt hatte, musste Unions Angreifer Ilic die Kugel eigentlich nur noch ins leere Tor einschieben, setzte sie – im letzten Moment durch eine Monstergrätsche Torunarighas bedrängt – aber links neben den Pfosten. Und statt eines 1:2-Rückstands sorgte der HSV postwendend für die 2:1-Führung, als Capaldo per Direktabnahme ein Jatta-Zuspiel im gegnerischen Gehäuse unterbrachte und seinen ersten Bundesliga-Treffer erzielte. Der Kapitän avancierte dabei zum 266. Torschützen in der Bundesliga-Historie des Clubs und schoss dabei das 2960. Bundesliga-Tor der Rothosen.
„Solch ein Momentum brauchst du, um das Spiel zu gewinnen“, erklärte Mentalitätsspieler Nicolai Remberg nach der Partie und lobte sein Team dafür, in diesem erwarteten Kampfspiel vorangegangen zu sein. „Wir haben eine unglaubliche Mentalität gezeigt“, pflichtete Abwehrchef Luka Vuskovic bei. Und tatsächlich hatte der HSV daheim einmal mehr seine Nehmer- und Comeback-Qualitäten unter Beweis gestellt, punktete nach dem 1:1 gegen Dortmund, 3:2 gegen Werder und 2:2 gegen Bayern bereits zum vierten Mal nach einem Rückstand.
Und damit nicht genug: Die Rothosen feierten gegen Union den zweiten Saisonsieg in Folge und sind seit fünf Bundesliga-Spielen ungeschlagen. Im heimischen Volksparkstadion, der zum elften Mal in dieser Saison ausverkauft war, sind es gar sieben Partien in Folge ohne Niederlage. Zugleich setzten die Hamburger gegen die Eisernen zum Überholmanöver an, zogen in der Tabelle an Union Berlin vorbei und rangieren nun mit 25 Punkten auf Rang 9.
Rückkehrer Glatzel, Doppelpacker Königsdörffer, Premieren-Torschütze Capaldo und eine Spielsequenz für jeden Jahresrückblick – die Fans hatten es im Vorfeld des 1887. Bundesliga-Spiels geahnt, gefordert und gefeiert: „Viele Spiele sind vergangen – noch immer spüren wir das Verlangen!“ Nächster Halt auf dieser Reise: Mainz, wo der HSV am kommenden Freitagabend den 23. Bundesliga-Spieltag eröffnen wird.
