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Nachbericht

23.10.21

Matchwinner-Mentalität: Joker Doyle als Sinnbild für den HSV-Weg

Tommy Doyle hat mit seinem Last-Minute-Tor den Auswärtssieg in Paderborn ermöglicht. Der Engländer steht damit sinnbildlich für den intensiven und aufwendigen HSV-Weg.

„Als ich gesehen habe, dass Tommy Doyle den Ball bekommt, wollte ich direkt jubelnd zur Eckfahne abdrehen. Wir kennen ja seine Abschluss-Stärke aus dem Training", gab ein überglücklicher Jonas Meffert in den Katakomben der Benteler-Arena zu Protokoll. Wenige Minuten zuvor endete das HSV-Auswärtsspiel in Paderborn mit einer Gefühlsexplosion, weil der von "Meffo" angesprochene Engländer mit seinem Last-Minute-Tor zum 2:1 den enormen Aufwand belohnte. Das war zuletzt nicht immer der Fall, als die Rothosen sich trotz großen Investments zu häufig (drei am Stück vor dem Paderborn-Spiel) mit einem Remis begnügen mussten. Der Sieg beim ebenfalls stark aufspielenden SCP hat nun aber neue Geschichten geschrieben, die für den weiteren Saisonverlauf elementar wichtig werden können.


Die Joker-Qualitäten

Manuel Wintzheimer mit dem vorletzten Pass, David Kinsombi mit dem technisch anspruchsvollen Assist und Tommy Doyle mit dem herausragenden Abschluss: Das Last-Minute-Siegtor in Paderborn war das gemeinsame Produkt von drei Einwechselspielern, die ihren Joker-Auftrag erfüllt haben. „Dass ich wie schon in Aue in den letzten Minuten entscheidend einwirken konnte, freut mich mich persönlich natürlich extrem. Selbstverständlich wünsche ich mir, noch mehr zu spielen, aber so ist es im Fußball: Wenn du die Chance bekommst, dann musst du da sein, und das ist mir heute nach dieser großartigen Vorarbeit von Kinso glücklicherweise gelungen“, sagte ein freudestrahlender Tommy Doyle nach dem Abpfiff und stellte damit genau die Mentalität heraus, die für eine positive Entwicklung unabdingbar ist. Geduld und Ehrgeiz in Kombination sind für den jüngsten Kader der 2. Bundesliga von großem Wert.


Die Coaching-Entscheidungen

Dass sich die Einwechslungen von Kinsombi, Wintzheimer und Doyle beim 2:1-Siegtreffer maximal bezahlt gemacht haben (s.o.), ist sicher mehr als eine Randnotiz. Darüber hinaus lag HSV-Cheftrainer Tim Walter aber auch mit der Startelf-Nominierung von Moritz Heyer goldrichtig. Der Defensiv-Allrounder kam als Rechtsverteidiger in die Mannschaft und markierte das frühe 1:0. Es war schon das 5. Saisontor für Heyer, der die Spielidee des Trainerteams ebenso wie die Teamkollegen über weite Strecken sehr gut umsetzte. Die Angriffspressing-Sequenzen gegen den Ball schmeckten dem SCP nicht, zudem fanden die Ostwestfalen gerade im ersten Durchgang überhaupt keinen Zugriff am Flügel. Viele Durchbrüche von Faride Alidou und Bakery Jatta waren die Folge – der Matchplan ist aufgegangen.


Die mannschaftliche Geschlossenheit

Der späte Sieg auf Schalke im Auftaktspiel (3:1), das Last-Minute-Siegtor gegen Sandhausen (2:1), der erzwungene Ausgleich in Aue (1:1) – und jetzt die Gefühls-Explosion in Paderborn (2:1): Die Rothosen haben in dieser Saison schon viele Punkte in der Schlussphase eingefahren und einen ganz besonderen Spirit nachgewiesen. Die Chancenverwertung blieb auch in Paderborn ausbaufähig, darüber hinaus werden aber vor allem die Grundtugenden konstant abgerufen. Auch in der Benteler-Arena spulten die Walter-Schützlinge wieder mehr Kilometer als der Gegner ab (117,6:116,4) und feuerten im letzten Drittel aus allen Lagen (24:13 Torschüsse). Der Einsatzwille stimmt!


Die Fans

Seit dem Beginn der Spielzeit gibt es schrittweise Lockerungen in Bezug auf das Stadionerlebnis – und das kommt den HSV-Profis definitiv zugute. Die Anhängerschaft der Rothosen steht trotz vereinzelter Rückschläge in den allermeisten Phasen des Spiels hinter dem Team und unterstützt die junge Mannschaft nach Kräften. Bei der 2G-Premiere gegen Fortuna Düsseldorf (16. Oktober, 1:1) strömten fast 40.000 Zuschauer in das Volksparkstadion, in Paderborn waren auch wieder weit mehr als 1.000 HSV-Fans am Start und sorgten vor allem nach dem Last-Minute-Siegtreffer für Gänsehaut-Momente. Der bedingungslose Support kann in einer extrem ausgeglichenen 2. Liga das Zünglein an der Waage sein!