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Nachwuchs

22.03.20

"Kinder sollen bei uns immer auch Kinder bleiben dürfen"

Frederick Neumann, Trainer der U11 im NLZ, spricht im HSVlive-Interview über die Förderung der jüngsten Talente im HSV und die Bedeutung von Ergebnissen sowie Drucksituationen in jungen Jahren.

Das nachfolgende Interview ist ein Auszug aus der aktuellen HSVlive-Ausgabe. Als die HSVlive-Redaktion mit der Planung dieser Ausgabe begann, war nicht abzusehen, wie sehr die sportlichen Inhalte bis zum Erscheinungstermin in den Hintergrund treten würden. Doch dann hat uns alle die rasante Ausbreitung des Corona-Virus` überrollt – und den Fußball zum Stillstand gebracht. Die Redaktion hat sich dennoch dazu entschlossen, diese HSVlive-Ausgabe herauszubringen, um gerade auch in diesen schwierigen Zeiten ein wenig Normalität zu wahren. Und dazu zählt dann auch, alle Mitglieder und Fans mit HSV-Inhalten, mit sportlichen wie auch privaten Interviews und mit Hintergründen rund um die Raute zu versorgen.

Viel Spaß beim Lesen und bleibt gesund!

Frederick, du bist als Trainer der U11 für die jüngste Mannschaft im NLZ zuständig. Damit starten wir vergleichsweise spät in den Spielbetrieb – andere NLZs schicken teilweise bereits eine U8 oder U9 in den Ligabetrieb. Wieso habt ihr euch für diesen Weg entschieden?

Im Kindesalter ist es schwierig, eine langfristige Leistungsdiagnose abzugeben. Je eher dies versucht wird, umso größer ist die Fehleranfälligkeit. Deshalb haben wir uns bewusst dafür entschieden, mit der U11 als jüngste fest integrierte Mannschaft in unserem Verein zu starten. Kinder sollen bei uns immer auch Kinder bleiben dürfen. Wir wollen sie nicht emotional überfrachten, sondern behutsam an das Konstrukt eines Nachwuchsleistungszentrums heranführen. Deshalb lernen wir sie vorher über unsere Kinderperspektivteams kennen.

Wie funktionieren diese Kinderperspektivteams?

Die Kinderperspektivteams sind so aufgebaut, dass wir die Kinder über einen längeren Zeitraum beobachten. Während dieser Zeit bleiben sie Teil ihres Heimatvereins und kommen zusätzlich in regelmäßigen Abständen zum Training zu uns. So lastet der Leistungsdruck der Kinder nicht auf einem einzigen Training, sondern sie können ihr Talent über einen längeren Zeitraum präsentieren. Gleichzeitig lernen wir die Kinder auf diese Weise auch persönlich kennen. Aspekte wie der soziale Hintergrund, die Familie oder die Schule sind uns dabei sehr wichtig. Nach zwei Jahren suchen wir dann die Spieler aus, bei denen wir überzeugt sind, dass wir sie im Idealfall bis zur U19 halten können.

Kann ein Kind auch Teil eurer Mannschaft werden, wenn es nicht Teil der Perspektivteams ist?

Absolut. Pro Jahrgang ist meistens ein Spieler dabei, der vorher nicht in unseren Perspektivteams war. Aber: Grundsätzlich wollen wir die Kinder und ihre Familien frühzeitig kennenlernen, deshalb kommt der Großteil der Spieler aus den Perspektivteams.

Mit der U11 beginnt schließlich der Grundlagen- und Aufbaubereich. Welche Kerninhalte vermittelt ihr?

In der U11 geht es uns vor allem darum, die Individualität der Spieler herauszubilden, ihre Kreativität zu fördern und ihnen die Grundlagen des Fußballspiels bestmöglich beizubringen. Ganz wichtig ist uns, dass wir den Kindern Mut und Spaß am Spiel vermitteln. Diese Aspekte können im jungen Alter am besten gefördert werden.

Werden eure Spieler in diesem Alter auch schon für spezifische Positionen und taktische Ausrichtungen geschult?

Nein, Positionen spielen bei uns gar keine Rolle, weil das Profil der Spieler in diesem Alter noch nicht klar erkennbar ist. Die Jungs probieren alles aus, sind mal als Verteidiger und mal als Stürmer im Einsatz. Eine gewisse taktische Struktur hilft ihnen, ihr Spiel aufzuziehen, gerade in Eins-gegen-eins-Situationen. Dennoch vermitteln wir taktische Inhalte nur sehr rudimentär und kindgerecht aufgearbeitet. Spaß und Bewegungsfreude stehen über allem.

Wie fördert ihr diese Aspekte ganz gezielt?

Beispielsweise, indem wir immer wieder andere Sportarten ausprobieren. Im Sommer gehen wir oft Schwimmen oder Klettern, darüber hinaus bieten wir in Blockunterrichteinheiten Badminton oder Basketball an. Dieses Ausprobieren fördert den Mut und die Kreativität der Spieler. Zudem nehmen wir an vielen Turnieren mit kurzen Warte- und vielen Spielzeiten statt, damit die Jungs möglichst viel im Spiel selbst erlernen.

Für die Kinder ist es sicher ein Highlight, in so jungen Jahren die Raute aufder Brust zu tragen. Ist damit auch schon ein gewisser Druck vorhanden, der reguliert werden muss?

Wir möchten überhaupt keinen Druck erzeugen, sondern unseren Spielern die Chance geben, bei uns im HSV anzukommen. Wir wissen, dass jeder Spieler eine gewisse Eingewöhungszeit benötigt, auch Anlaufschwierigkeiten sind völlig ok. Wenn wir einen Spieler zu uns holen, dann möchten wir ihn möglichst lange halten. Wichtig dabei ist, dass wir sowohl die Spieler als auch deren Eltern abholen und regelmäßig durch Gespräche mitnehmen.

Welche Aspekte sind in eurer Arbeit abseits des Platzes entscheidend?

Es geht ganz viel um die Punkte Teamfähigkeit, Geschlossenheit und Kommunikation. „Wie sage ich es, wenn mich etwas stört?“, „Wie gehe ich mit Kritik um?“, oder „Wie ziehe ich aus Kritik positive Schlüsse für mich?“ sind Fragen, mit denen wir uns intensiv beschäftigen. Dafür arbeiten wir am Standort Norderstedt beispielsweise auch mit unserer  Sportpsychologin Sinikka Heisler zusammen. Wir sind nicht nur als Fußballtrainer, sondern auch als Ansprechpartner der Jungs gefragt und wollen ihnen helfen, sich hier beim HSV wohl zu fühlen.

Ein Großteil der Saison ist absolviert, ihr habt viele Turniere gespielt und seid zuletzt unter anderem Hamburger Hallenmeister geworden. Wie fällt dein Zwischenfazit aus?

Wir sind mit der Entwicklung unserer Spieler richtig zufrieden. Die Jungs haben in diesem Jahr schnell als Gruppe funktioniert. Das ist nicht selbstverständlich, schließlich ist der Sprung in ein Nachwuchsleistungszentrum für junge Spiele erst einmal eine Umstellung. So sind bei uns beispielsweise sechs bis sieben Trainer für eine Mannschaft zuständig, wir arbeiten mit Physiotherapeuten und Sportpsychologen zusammen – sich mit diesen Personen und Abläufen vertraut zu machen, dauert eine Weile. Insofern sind wir sehr zufrieden damit, dass sich die Jungs so schnell als Team gefunden haben.

Und die Ergebnisse lesen sich auch richtig gut…

Das stimmt, wir haben u.a. ein Turnier in Luxemburg und die Hamburger Hallenmeisterschaften gewonnen. Aber man muss auch klar sagen, dass die Ergebnisse für uns als Trainerteam überhaupt nicht entscheidend sind. Wir schauen vor allem darauf, wie sich die Jungs im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei uns bestmöglich entwickeln können. Deshalb freut uns, dass unsere Mannschaft viele Tore geschossen hat und sich in ihrer Entwicklung bestärkt fühlt. Für die Jungs sind die Ergebnisse aber wichtig, ist ja klar. Für sie sind Erfolgserlebnisse ein schöner Indikator dafür, dass sich ihr Training lohnt.

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