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Trainingslager

29.07.17

Thoelke: "Der HSV ist meine große Chance"

Der Neuzugang vom KSC debütierte schon als 19-Jähriger beim VfL Wolfsburg in der Bundesliga. Nun setzt der ehemalige Junioren-Nationalspieler alles daran, auf die große Bühne zurückzukehren.

Zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz kam Bjarne Thoelke sehr überraschend. Als er am 15. Oktober 2011 das erste Mal für den VfL Wolfsburg im deutschen Fußball-Oberhaus auflief, hatte er gerade vier Tage zuvor seinen ersten Profivertrag unterschrieben. Felix Magath schmiss den damals erst 19-jährigen Innenverteidiger gegen den 1. FC Nürnberg ins kalte Bundesliga-Becken. „Das war sicherlich mein emotionalster und prägendster Moment in meiner bisherigen Karriere. Auf einmal stehst du mittendrin, erlebst alles hautnah mit. Ich komme selber aus der Ecke. Alle Freunde und Bekannte aus meinem Kreis haben das verfolgt, das ganze Dorf hat mitgefiebert. Das war schon der Wahnsinn“, erzählt Thoelke im Trainingslager in Österreich im Gespräch mit HSV.de

Zweites Bundesliga-Spiel in Hamburg

Diesen emotionalen Moment möchte er natürlich wieder erleben. Denn auf den Einsatz gegen den Club folgten leider nur noch fünf weitere in der Bundesliga, unter anderem nur eine Woche später gegen den HSV. Damals hießen die Gegenspieler Mladen Petric und Paolo Guerrero, heute heißen die Mitspieler Bobby Wood und Kyriakos Papadopoulos und tragen ebenfalls die Raute auf der Brust. „Ich sehe den HSV als meine große Chance, noch einmal erste Bundesliga zu spielen. Ich hoffe, auf so viele Einsatzminuten wie möglich zu kommen“, beschreibt er seine Ziele. 

„Der Verein geht sicherlich kein Risiko mit mir ein“

Dass Thoelke nun wieder in einem Bundesliga-Kader steht, kam für viele ebenfalls sehr überraschend. Jens Todt hatte den Abwehrmann des KSC an die Elbe gelotst. „Wir kennen uns schon aus Wolfsburg und Karlsruhe und haben ein gutes Verhältnis. Man hat direkt gemerkt, dass es passt“, bestätigt Thoelke. Nun kreuzen sich die Wege also zum dritten Mal. „Der Verein geht sicherlich kein Risiko ein. Ich habe nichts gekostet und nur einen Ein-Jahres-Vertrag unterschrieben“, sagt Thoelke bescheiden. Seine Position im Team ist klar: Neben Mergim Mavraj und Kyriakos Papadopoulos soll noch ein weiterer Innenverteidiger geholt werden. Für Thoelke bliebe damit die Rolle als vierter Mann. „Das wurde auch so kommuniziert. Am Ende entscheidet aber immer die Leistung im Training und im Spiel“, weiß der 1,91 Meter große Abwehrmann. Und im Fußball könne es ja bekanntlich immer schnell gehen. Jetzt liegt es an ihm. Und an seinem Willen und Ehrgeiz.

Ohne die Eltern wäre es nicht gegangen

Diese Eigenschaften hatte Thoelke schon immer. Mit vier Jahren begann der gebürtige Gifhorner das Fußballspielen beim VfL Wahrenholz. Schnell wurde damals klar, dass dies keine Eintagsfliege bleiben würde. „Wir waren eigentlich immer draußen, entweder in der Natur oder haben uns die Zeit mit Fußballspielen vertrieben“, erzählt Thoelke, dessen Vater einen landwirtschaftlichen Betrieb führt, auf dem unter anderem Kartoffeln und Getreide angebaut werden. „Meine Eltern haben mich immer unterstützt. Sie haben einen wahnsinnigen Job gemacht und mir alles trotz ihres Berufs ermöglicht“, sagt er anerkennend.

Besonders als es zur C-Jugend dann zum VfL Wolfsburg ging. „Das war eine Strecke von fast 80 Kilometer hin und zurück, die mich meine Eltern gefahren haben. Das war megastressig. Die haben mich direkt aus der Schule abgeholt. Mittagessen gab es dann im Auto“, berichtet Thoelke von seinen damaligen Touren. Erst als er in der zehnten Klasse die Schule wechselte und auf das Fachgymnasium in Gifhorn ging, wurde es leichter. „Mit dem Zug war es dann nur noch eine Viertelstunde“, bestätigt er. Heute würde das alles wahrscheinlich nicht mehr gehen, denn die Mutter hat zusammen mit einigen Kolleginnen seit sechs Jahren einen eigenen Bauernhof-Kindergarten eröffnet und bietet nachmittags heilpädagogisches Reiten an.

„Aufgeben war nie eine Option“

Die Familie stand dem ehemaligen U20-Nationalspieler (zwei Einsätze) auch zur Seite, als es im Fußball nicht mehr so lief. In der Saison 2012/13 wurde Thoelke vom VfL Wolfsburg für ein Jahr nach Dresden verliehen. Für Dynamo lief er dann aber nur fünfmal auf. Nach der Rückkehr zu den Wölfen kam dann eine insgesamt 18-monatige Leidenszeit mit gleich mehreren Verletzungen hintereinander dazu. Die Bundesliga rückte damals in weite Ferne. „Aufgeben war trotzdem nie eine Option für mich. Mit Wille, Ehrgeiz und den richtigen Leuten, schafft man es“, sagt er. „Und ich war mir immer sicher, dass ich wieder an mein Top-Niveau herankomme.“ 

2015 wechselte er zum KSC. So richtig glücklich wurde er dort aber auch nicht. 33 Spiele in der zweiten Liga absolvierte er für die Badener. Nun soll es beim HSV besser laufen.  „Ich bin bislang total zufrieden. Die Mannschaft hat mich super aufgenommen. Es ist eine lockere Stimmung und ich fühle mich wohl“, berichtet er. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich ja wieder so ein Überraschungsmoment und Thoelke steht im Volksparkstadion schneller als erwartet wieder auf der großen Bundesliga-Bühne.