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Nachbericht

28.08.18

Den Lernprozess vorantreiben

Nach dem 3:0-Sieg gegen Arminia Bielefeld ist die Freude über den ersten Heimerfolg riesig. Trotzdem will man diesen keineswegs überbewerten. Vielmehr sollen die verfügbaren Varianten und Möglichkeiten weiter gefestigt werden.

Unmittelbar nach dem 1:0-Führungstreffer durch Lewis Holtby ging der erste Weg der jubelnden Spielerschar in Richtung Auswechselbank. Dort überreichte ihnen Zeugwart Miroslav Zadach das weiße HSV-Heimjersey mit der Trikotnummer 23. Die Torwidmung galt dem verletzten Teamkollegen Jairo Samperio, der sich unter der Woche im Training schwer verletzt hatte. Eine tolle Geste! Die Motivation, sowohl für den Spanier, aber natürlich auch für den gesamten Verein siegen zu wollen, bildete auch in der Folge den Grundstein. Mit Erfolg! 46.934 Zuschauer sahen eine Partie, in der die Rothosen am Ende zwar deutlich mit 3:0 gewannen, dieses Ergebnis aber nicht unbedingt den Spielverlauf widerspiegelte. Die Bielefelder kämpften mutig gegen den Favoriten aus Hamburg an, scheiterten schlussendlich auch ein wenig an der eigenen Chancenverwertung. Ein effizienter Pierre-Michel Lasogga machte am Ende den Unterschied aus und führte den HSV zum wichtigen ersten Heimerfolg in der zweiten Liga und markierte gleichzeitig seinen zweiten Doppelpack innerhalb einer Woche. Den dritten Pflichtspielsieg in Folge nahm der HSV zufrieden zur Kenntnis, doch grundsätzlich soll der erkennbare Aufwärtstrends nicht überbewertet werden. Chefcoach Christian Titz gibt vor seinem Team vor allem ein Motto aus: auf den guten Leistungen aufbauen und konzentriert weiterarbeiten.

Drei Punkte geholt, den Fokus neu ausgerichtet. Schon am kommenden Sonnabend (1. September, Anstoß 13:00 Uhr) steht das Gastspiel bei Dynamo Dresden im DDV-Stadion auf dem Programm. HSV.de blickt noch einmal auf das gestrige Spiel zurück, gibt einen Überblick über die Personalsituation und wirft den Blick auf die kommende Woche voraus.   

Zum Spiel: Es war an diesem Montag eine Begegnung im Zeichen der Fanfreundschaft. Rund 3.000 Anhänger der Gäste aus Bielefeld fanden zum Wochenstart - oder eben auch Abschluss des dritten Spieltags -  den Weg ins Volksparkstadion. Und sie sahen in der Masse der Hamburger-Fans ein offenes Spiel mit zwei Bewertungen.

10:17 Torschüsse, 5:8 Ecken, und eine Zweikampfquote von 47 zu 53 Prozent - Ein Blick auf die Spielstatistik nach der Partie bewies, dass sich der Hamburger SV mit der Höhe des Ergebnisses mehr als zufrieden schätzen konnte. Denn trotz der frühen Führung durch Lewis Holtby (9.) machten sie zu wenig aus der eigenen spielerischen Dominanz. Es fehlte in der Offensive an entscheidender Durchschlagskraft. Auf der anderen Seite profitierte die Titz-Elf davon, dass die Arminia dieselben Makel aufwiesen. Kurz vor der Pause wurde Bielefeld aber gefährlich. Bei einem Standard, getreten durch Florian Hartherz (40.), musste HSV-Keeper Julian Pollersbeck die Arme ganz lang machen. Nur zwei Minuten später patzte Rick van Drongelen mit einem Fehlpass, den „Polle“ ebenfalls in letzter Minute retten konnte. „Wir müssen unsere Flüchtigkeitsfehler abstellen, sie sorgen oft für fünf bis zehn Minuten für ein Ungleichgewicht“, bemängelte Titz die Unsicherheiten seiner Mannschaft zwischen der 30. und 60. Minute.   

Der Coach reagierte zur Pause, brachte Vasiljie Janjicic für Tatsuya Ito. „Wir wollten im Zentrum für mehr Stabilität sorgen, das ist uns mit dem Wechsel auch gelungen. Wir müssen jetzt im Training dafür sorgen, dass wir diese Lernprozesse weiter verinnerlichen und einfach noch kompakter stehen“, erklärte Titz seinen Gedankengang zur Halbzeit. In der zweiten Hälfte brauchte es dann viel Anlaufzeit, bis schließlich Pierre-Michel Lasogga dem Spiel seine eigene Marke verlieh und durch zwei starke Aktionen für die Entscheidung (76./88.) sorgte. Erst gekonnt mit einer starken Drehung inklusive Abschluss im Strafraum, dann nach einem selbst herausgeholten Strafstoß vom Punkt. Der bullige Angreifer sorgte bei allen für freudige Gesichter, als nach Abpfiff ein 3:0 von der Anzeigetafel schimmerte. „Pierre war gestern ein sehr wichtiges Element für uns. Es war genau die Art von Spiel, die ihm gut zu Gesicht steht. Er ist ein Spieler, der seine Qualitäten in der Box hat. Das hat er gestern bewiesen“. Insgesamt war Titz mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden. „Von Spiel zu Spiel wird immer mehr sichtbar, wie wir uns weiterentwickeln. Das zeigt mir, dass wir auch dem richtigen Weg sind.“

Zur Personalsituation: Der Fußballlehrer konnte erstmals in dieser Saison auf seinen Kapitän bauen. Aaron Hunt kehrte in seinem ersten Pflichtspiel in der Spielzeit 2018/19 direkt in die Startelf der Rothosen zurück und sorgte mit seiner Qualität und Erfahrung für die nötige Ruhe im Spiel seiner Mannschaft. Auch mit dem Startelfeinsatz von Pierre-Michel Lasogga zeigte der HSV-Coach wie bereits erwähnt einmal mehr ein goldenes Händchen. Ob das schon die Entscheidung über die Position gewesen sei? Natürlich nicht! „Wir haben drei gute Stürmer, die alle eine ganz eigene Qualität haben. Es wird immer wieder Spiele geben, für die wir diesen einen bestimmten Spielertyp brauchen.“ Ähnlich gestalte es sich in der Defensive. Leo Lacroix komme, wie Titz erklärt, immer näher an die Form heran, die er für die Aufgabe beim HSV brauche. Auch die beiden Neuzugänge Khaled Narey und Orel Mangala bewiesen sich ein weiteres Mal als wichtiger Baustein im Titz´schen System. Besonders von der Schnelligkeit und dem Abschlussdrang Nareys zeigte sich der Coach begeistert.

Mit Manuel Wintzheimer, Bakery Jatta, Mo Kwarteng, Stephan Ambrosius und Morten Behrens kamen am vergangenen Wochenende fünf Profis für die U21 beim Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg (0:4) zum Einsatz. Hier stand vor allem die Spielpraxis für die Jungs im Vordergrund. Auf Matti Steinmann und Josha Vagnoman (beide Oberschenkelprobleme) musste Titz gegen Bielefeld hingegen verletzungsbedingt verzichten. Beide werden mit Beginn der Trainingswoche und dementsprechend der Vorbereitung auf das Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen.  

Der Ausblick: Der Hamburger SV hat mit dem zweiten Sieg im dritten Spiel die zweite Liga angenommen und die Unterschiede herauskristallisiert: “Wenn wir den Ball haben, dann können wir das Spiel bestimmen und aufspielen. In der zweiten Liga wird allerdings oft lang auf den Zielspieler gespielt, der dann zurücklegt, wenn die Außenspieler nachrücken. Das ist ein Unterschied zur 1. Liga“, erklärt Titz das Spielsystem der Mannschaften in der zweithöchsten Spielklasse. Zudem ist der Mannschaft bewusst, dass es jetzt mehrere solcher „Kampfspiele“, wie es gegen die Arminia aus Bielefeld der Fall gewesen ist, geben wird. Um nun weiter an der bereits erwähnten Stabilisation des Zentrums zu arbeiten, will das Trainerteam keine Zeit verlieren. Bereits mit dem Auslaufen am Dienstagvormittag fiel der Startschuss auf die nächste Begegnung.

Die Rothosen treffen im Rahmen des 4. Zweitliga-Spieltags auf Dynamo Dresden (Sonnabend, 13:00 Uhr), die wiederum nur mäßig in die Saison gestartet sind. Nachdem das Team aus Sachsen das erste Spiel gegen Duisburg (1:0) gewann, gingen die Folgepartien in Bielefeld (1:2) und im Pokal in Rödinghausen (2:3 n.V.) verloren. Die Folge: Die SGE entließ Chefcoach Uwe Neuhaus, der ehemalige Profi Christian Fiel übernahm interimsweise. Das erste Spiel unter ihm verloren die Dresdener gegen Heidenheim (1:3) ebenfalls. Diese Faktoren sind für Titz aber kein Grund, den kommenden Gegner zu unterschätzen. „Wir beschäftigen uns bereits mit Dynamo Dresden. Das Team ist aber nicht leicht einzuschätzen. Sie haben jetzt einen Interimstrainer, der anders spielen lässt. Das macht die Analyse vorab nicht einfacher. Wir wissen, dass wir auf einen Gegner treffen werden, der eine gute fußballerische Qualität hat.“

Nach drei Pflichtspielsiegen in Folge möchte der HSV durch harte Arbeit alles dafür tun, weiter auf der Siegerstraße zu fahren. Stolz auf den Erfolg, Dresden vor Augen.