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Saison

15.05.20

Wettstein: „Unsere Fans sind nicht ersetzbar“

Vorstand Frank Wettstein äußert sich zu den Geisterspielen, der aktuellen Gesamtlage des HSV und zum Umgang mit Heimpartien im fast leeren Volksparkstadion.

HSV-Krisenstab, Quarantäne-Trainingslager, DFL-Versammlungen, Ständiger Arbeitskreis Fandialog (SAF): Frank Wettstein und sein Vorstandskollege Jonas Boldt könnten in einen Wettkampf eintreten, wer die meisten Video- und Telefonkonferenzen absolviert. Nun steht das erste Pflichtspielwochenende seit mehr als zwei Monaten vor der Tür. Im Interview mit HSV.de widmet sich Wettstein der aktuellen Gesamtlage und dem Umgang der Rothosen mit den Heimspielen im Volksparkstadion.

Vor ein paar Wochen haben Sie gesagt, dass man das gesamte Ausmaß der Corona-Folgen noch nicht genau beziffern könne. Wissen Sie mittlerweile genauer, welche finanziellen Schäden die Pandemie beim HSV hinterlassen wird?

Frank Wettstein: Ich müsste eigentlich eine Gegenfrage stellen: Weiß jemand, wie sich die Gesamtlage im Oktober, November oder Dezember darstellt? Die ehrliche Antwort lautet: nein. Daher lässt sich auch noch kein Schadensbericht anfertigen. Vielmehr befinden wir uns in einem dynamischen Prozess, bei dem es immer wieder neue Berechnungen, Maßnahmen und Anpassungen gibt. Trotzdem ist es natürlich keine Überraschung, dass diese Phase bei jedem Club – auch beim HSV – erhebliche wirtschaftliche Negativfolgen mit sich bringt. Wir beschäftigen uns jeden Tag intensiv damit.

Wie kann man als Club dagegen steuern, wenn wichtige Erlöse wie Ticketeinnahmen wegbrechen? Der HSV hat ja noch fünf Heimpartien von neun verbliebenen Saisonspielen zu bestreiten, also ein Heimspiel mehr ohne Kulisse, Verzehr und potenzielle Arena-Shop-Besuche.

Wettstein: Das ist ein sehr komplexer Prozess, bei dem eindimensionale Blicke auf eine Erlös- oder Ausgabeposition nicht ausreichen. Wir haben schon vor Wochen jeden Bereich, jede Abteilung sensibilisiert, die aktuelle Gesamtlage in alle Planungen einzubeziehen. Bislang ist mein Eindruck, dass das beherzigt wird und niemand verantwortungslos agiert. Was ich aber mindestens genauso wichtig finde, ist der Umstand, dass unsere Fans und Partner zu uns halten. Hier bekommt der Begriff „Treue“ eine ganz besondere Bedeutung, die täglich mit Leben gefüllt wird. Wir bekommen viele Rückmeldungen aus dem Club, von unseren Partnern und Kunden, aus dem Umfeld und aus dem Verein nach dem Motto: Wir als HSV gehen diese große Herausforderung gemeinsam an und wollen sie gemeinsam bewältigen. Das motiviert.

"Die Fans können nicht in ihr und unser Wohnzimmer, aber der HSV ist trotzdem in Hamburg, im Zuhause jedes Einzelnen präsent. So sind unsere Fans - im wahrsten Sinne des Wortes  -  eben mit Abstand die besten"

Wie gehen Sie konkret mit Heimspielen ohne Fans, den sogenannten Geisterspielen, um?

Wettstein: Wir nehmen sie an und wollen sie erfolgreich bestreiten.

Die Frage zielte eher darauf ab, ob es besondere Aktionen für Fans wie in anderen Stadien geben wird: Pappaufsteller, Botschaften der Fanclubs, Geisterspieltickets oder ähnliches.

Wettstein: Wir haben uns auch mit dieser Thematik beschäftigt und sind zur Entscheidung gekommen, dass wir die missliche Gesamtlage, ohne unseren Anhang spielen zu müssen, nicht noch steigern wollen. Wir haben alle Angebote von eingespielten Fangesängen, Klangtechniken, Stimmungs-Apps, Pappfiguren und vielem mehr abgesagt, weil wir unsere Fans für nicht ersetzbar halten. Dass wir viel lieber vor gefüllten Rängen und einer lautstarken Nordtribüne spielen würden, muss ich hoffentlich nicht extra betonen. Aber wir wollen das auch dem Fernsehzuschauer bewusstmachen: Daher wird es beim Heimspiel gegen Bielefeld keinerlei Fankultur im Volksparkstadion zu sehen oder zu hören geben. Und wir werden keine Geisterspieltickets verkaufen. Wir setzen auf etwas anderes, auf die Gemeinschaft HSV auch ohne Stadionpräsenz. Die Fans können nicht in ihr und unser Wohnzimmer, aber der HSV ist trotzdem in Hamburg, im Zuhause jedes Einzelnen präsent. So sind unsere Fans – im wahrsten Sinne des Wortes – eben mit Abstand die besten.

Sind bereits alle Geisterspiele durchgeplant?

Wettstein: Nein, ganz bewusst nicht. Wir wissen um die Regeln der DFL, um unser Sicherheits- und Hygienekonzept, das höchste Priorität genießt. Aber bei allem anderen werden und wollen wir auch lernen und wichtige Erkenntnisse aus den ersten Partien ziehen. Und wir werden weiterhin einen engen Austausch mit unseren Fans pflegen, von denen viele ihre Unterstützung nun für einen hoffentlich überschaubaren Zeitraum anders zeigen müssen als gewohnt.

Wie geht der HSV mit den Dauerkartenkunden um?

Wettstein: Fair, weil wir wissen, dass es sich auch hier um die Treuesten der Treuen handelt. Wir werden demnächst in die direkte Kommunikation mit den Dauerkartenkäuferinnen und -käufern treten und ihnen mehrere Modelle des Umgangs mit ihren leider verpassten Spielen vorschlagen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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