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Saison

30.07.20

Daniel Thioune: "Ich bin Trainer und kein Zauberer"

Welche Dinge will Daniel Thioune von seiner Mannschaft sehen, wofür steht er und was macht den Fußball aus seiner Sicht aus? Das HSVlive-Magazin liefert im großen „Fußball A-Z“ die sportlichen Antworten - von A wie Arbeit bis Z wie Zauberer.

A - Arbeit
Ohne Fleiß kein Preis! Arbeit ist das, worauf es ankommt. Das gilt für die Mannschaft, aber auch für das Trainerteam, denn wir können von den Spielern nichts verlangen und abfordern, was wir nicht vorher mit ihnen erarbeitet haben. Vereinfacht gesagt: Wenn der Stürmer den Ball am Tor vorbeischießt, dann muss ich als allererstes mich selbst hinterfragen, ob ich es ausreichend mit ihm geübt habe. Arbeit fängt bei jedem selbst an. Und: Vor jedem Erfolg steht die Arbeit.

B - Bolzplatz
Das bedeutet für mich: Viel Beton, zwei Tore aus Metall und ein Ball. Genau das bin ich, das ist meine Generation und das habe ich maximal gelebt. Ich würde mich nach wie vor als Straßenfußballer bezeichnen. Ich habe es geliebt, mich in diesen teilweise sehr heterogenen Gruppen auf dem Bolzplatz zu behaupten. Das war auch eine Art Schule. Wir bilden heutzutage in den Nachwuchsleistungszentren sehr viel stringenter aus, ich vermisse daher manchmal dieses Unbedarfte, das der Fußball damals für uns hatte.

C - Co-Trainer
Ich finde diesen Begriff sehr antiquiert. Für mich ergibt sich daraus immer noch das Bild: Cheftrainer sagt etwas an und Co-Trainer baut die entsprechenden Hütchen auf. Das ist nicht das, was ich mir unter einem Co-Trainer vorstelle. Für mich bedeutet die Zusammenarbeit, auf Augenhöhe zu agieren und die gemeinsame Arbeit mit den jeweiligen Stärken zu befruchten. Natürlich muss einer den Hut aufhaben und das große Ganze verantworten, aber ich spreche dennoch lieber von einem Trainerteam, in dem es einen Cheftrainer und die Assistenztrainer gibt. Das passt für mich vom Wording her besser in die heutige Zeit. Und mit Merlin Polzin bringe ich als Assistenten einen sehr aufgeräumten Menschen mit, der nie zufrieden ist, wenn wir nicht alle Aufgaben gelöst haben und der mir auch mal nachts um halb drei eine WhatsApp schreibt, weil er etwas bezüglich der taktischen Ausrichtung für das nächste Spiel hinterfragen möchte. Zudem kommt mit Hannes Drews ein weiterer sehr geschätzter Kollege in unser Team. Ich kenne Hannes schon lange und wir beide sind uns einig über die Rolle des zweiten Assistenztrainers und der damit verbundenen Aufgaben. Er kennt zudem den Verein und kann sofort als Bindeglied zwischen Profikader und Nachwuchsabteilung wirken. 

D - Druck
Kein Druck kann so groß sein wie der Druck, den ich mir selbst auferlege. Wobei ja auch die Frage ist, wie viel Druck ich zulasse. Ich möchte immer wieder betonen, dass ich eher in Lösungen als in Problemen denke und nichts als Bedrohung betrachte, sondern immer als Herausforderung. Der einzige Druck, den ich für mich zulasse, ist der, dass ich ein Fußballspiel gewinnen möchte. Und was von außen an einen selbst oder an die Mannschaft herangetragen wird, das sollte man gerade beim HSV, wo all das eine sehr große Wucht entwickeln kann, eher als Antrieb betrachten und für sich nutzen, um besser und stärker zu werden. Denn Druck darf niemals so groß werden oder als so groß empfunden werden, dass er die Beine lähmt. Und wenn einer meiner Spieler seine Sorgen mal nicht mehr alleine schultern kann, dann weiß er, dass ich einen großen Rucksack aufhabe, in den er all diese Sorgen reinpacken kann. Und wenn es zu viele Spieler gleichzeitig betrifft, dann schnalle ich mir eben auch noch einen zweiten Rucksack um. Denn ich habe hier die Verantwortung, und die trage ich auch.