skip_navigation

Interview

13.07.18

Jairo: "Ich stand vor der Entscheidung: Studium oder Fußball?"

Im Interview mit HSV.de verrät der 25-jährige Neuzugang, warum er mit 17 am Scheideweg stand, wieso er viel Zeit auf Parkplätzen verbracht hat und welche Eigenschaften er beim HSV einbringen möchte.

Beobachtet man Jairo Samperio beim Training, stellt man schnell fest, dass in ihm ein sehr lockerer und sympathischer Charakter steckt. Auf dem Fußballplatz sieht man den ablösefreien Neuzugang von UD Las Palmas in vielen Situationen mit den neuen Mitspielern kommunizieren und lachen. Auch im Gespräch mit HSV.dekommt das Strahlen in seinem Gesicht fast immer zum Vorschein. Jario scheint sich schon nach kurzer Zeit sehr wohlzufühlen. Im Interview verrät der Spanier, welche Einflüsse seiner Heimat er beim HSV einbringen möchte, warum er mit 17 am Scheideweg stand und was er sich zum Geburtstag gewünscht hat.

Am 11. Juli hast du im Trainingslager deinen Geburtstag gefeiert. Kannst du dich eigentlich noch daran erinnern, wann du an diesem Tag das letzte Mal nicht von Zuhause weg warst?

Jairo Samperio: (lacht) Das ist schon einige Jahre her. Seit ich professionell Fußball spiele, ist es für mich normal geworden, dass ich meinen Geburtstag im Trainingslager feiere. Ich habe früher aber immer ein paar Geschenke von meinen Eltern mitbekommen und im Anschluss haben wir dann noch mal nachgefeiert.

War dir als Kind eigentlich schon klar, dass du Fußballprofi werden wirst?

Gefühlt habe ich schon als Baby davon geträumt. Ich habe schon sehr früh angefangen, Fußball mit meinen Freunden zu spielen. Da haben wir fünf gegen fünf auf Hartplätzen gespielt. Das war noch kein richtiger Vereinssport, der kam erst später. Aber schon zu dieser Zeit war ich die ganze Zeit mit dem Ball draußen. Fußball war immer mein Lebensmittelpunkt.

Du bist in der Jugend dann aus deiner Heimatstadt ins 45 Kilometer entfernte Santander gewechselt, hast aber natürlich noch zuhause gewohnt. Welche Erinnerungen verbindest du mit dieser Zeit?

Meine Eltern haben immer alles versucht, um mich zu unterstützen und auch zum Training zu fahren. Manchmal war das sehr schwer mit dem Job zu verbinden. So musste ich nach dem Training auch mal eine Stunde lang warten, bis mein Vater von der Arbeit kam, manchmal mit dem Zug entgegenfahren oder auf irgendeinem Parkplatz alleine stehen. Das waren manchmal schon verrückte Sachen. Es hat sich aber gelohnt.

Ab wann hast du das erste Mal gespürt, dass du es schaffen könntest?

Das war mit 17. Ich hatte meine Schule abgeschlossen und ein Studium neben dem Fußball begonnen. Dann bekam ich die Chance, bei der ersten Mannschaft von Racing Santander mit zu trainieren. Die haben aber oft auch vormittags zu der Zeit trainiert, in der auch meine Vorlesungen waren. Ich stand also vor der Entscheidung: Fußball oder Studium? Als ich nach zwei Monaten die ersten beiden Spiele für die erste Mannschaft gemacht hatte, habe ich das Studium abgebrochen, mich voll auf den Fußball konzentriert und mein Glück versucht.

Das hat ganz gut geklappt. Mit 20 ging es nach Sevilla, mit denen du später auch die Europa League gewinnen konntest. 2014 kam dann der Wechsel zum FSV Mainz 05. Was haben deine Eltern eigentlich dazu gesagt, als du nach Deutschland gewechselt bist?  

Das war absolut ok für sie. Sie haben sich beim Wechsel nach Sevilla mehr Sorgen gemacht, weil ich da von zuhause ausgezogen bin. Wie alle Eltern haben sie so Sachen gesagt wie ‚pass auf dich auf‘, ‚sei vorsichtig‘ oder ‚arbeite weiter hart‘. Bei meinen weiteren Stationen wussten sie dann, dass ich auch alleine zurechtkomme.

Jetzt bist du das zweite Mal in Deutschland. Wie viel Deutsch hast du schon aufgenommen?

Ich mag die Struktur in Deutschland. Alles ist sehr gut organisiert und verlässlich. Auch in Spanien wird gerade im Fußball top gearbeitet, aber hier hat man das Gefühl, es wird noch mehr Wert auf klare Abläufe gelegt, sowohl bei den Vereinen als auch im Alltag. Das gefällt mir.

Ist das eine gute Kombination mit deinen spanischen Charaktereigenschaften?

Als ich mit 21 Jahren nach Mainz gekommen bin, haben mir die festgelegten Abläufe sehr geholfen. Das nimmt man in jungen Jahren ansonsten nicht ganz so ernst. Ich denke, ich kann die deutschen und spanischen Einflüsse ganz gut mixen.

Wann kommt der Spanier in dir durch?

Meine Persönlichkeit ist hart. Eigentlich bin ich immer sehr gut gelaunt und mache gerne Scherze. Ich habe aber auch sehr viel Temperament und kann dann innerhalb kürzester Zeit die Stimmung wechseln. Wenn ich ‚on fire‘ bin, schimpfe ich vielleicht mit jemanden und nach ein paar Minuten entschuldige ich mich und lache zusammen mit ihm. 

Sind das auch die Stärken, die du beim HSV einbringen möchtest?

Absolut. Ich denke, eine Mischung aus konzentrierter Arbeit und einer gewissen Lockerheit ist eine gute Grundlage im Leistungssport.

Was war am Ende der Grund für den Wechsel nach Hamburg?

Der HSV ist ein großer Club mit tollen Fans. Ich habe schon bei den Spielen mit Mainz gespürt, dass es zwischen Anhänger und Verein eine besondere Intensität und Atmosphäre im Stadion gibt. Ich denke, es ist für beide Seiten eine sehr gute Möglichkeit. Ich versuche wieder auf mein bestes Level zu kommen, nachdem es die letzten Jahre nicht so gut bei mir lief. Auch der HSV hat diese Ziele. Meine Spielweise passt zudem sehr gut zu dem System, das der Trainer spielen lassen möchte. Die Gespräche mit Christian Titz und mit Ralf Becker waren von Anfang an sehr gut.

Was sind deine Ziele für die kommende Saison?

Ich möchte wie gesagt, möglichst schnell wieder an mein Leistungsniveau kommen, das ich unter anderem auch in Mainz gezeigt habe. Ich werde hart dafür arbeiten, möglichst viele Spiele zu absolvieren und damit auch dem HSV und dem Team zu helfen. Unser gemeinsames Ziel ist natürlich die Rückkehr in die Bundesliga.

Ist das auch dein Wunsch zum Geburtstag gewesen?  

Ich denke, das ist unser aller Wunsch. Dafür müssen wir aber alle sehr viel und hart arbeiten und auch demütig bleiben.