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"Ich habe dem HSV viel zu verdanken"

Gegnercheck

08.11.19

"Ich habe dem HSV viel zu verdanken"

Im Gegnercheck spricht der ehemalige HSV-Spieler Finn Porath über seine neue Station in Kiel, die Erfahrungen, die er auf seinem Weg in den Profifußball gesammelt hat und das bevorstehende Nordduell.

Sieben volle Jahre waren es am Ende: Von 2010 bis 2017 lief Finn Porath mit der Raute auf der Brust auf, wurde im Nachwuchsleistungszentrum der Rothosen erfolgreich zum Fußball-Profi ausgebildet und kam am 20. November 2016 sogar zu Bundesliga-Ehren. Beim 2:2-Unentschieden in Hoffenheim waren es am Ende zwar nur Sekunden, doch diese hatten für den im Norden verwurzelten Porath schon damals eine besondere Bedeutung. Weitere Zeigerumdrehungen im Profifußball absolvierte der talentierte Offensivspieler in der Folge dann für andere Clubs. Zunächst als Leihspieler in der 3. Liga bei der SpVgg Unterhaching (2017 bis 2019) und seit dieser Saison als Neuzugang für den Zweitligisten Holstein Kiel. Stück für Stück geht Porath unbeirrt seinen Weg und trifft nun am Sonnabend erstmals wieder auf seinen Ausbildungsverein. Eine besondere Reise und ein besonderes Spiel, wie der 22-Jährige im Interview mit HSV.de erklärt. 

Finn, du warst zuletzt mit ein paar Mitspielern im Volksparkstadion und hast dir mit dem 6:2-Sieg gegen den VfB Stuttgart ein spektakuläres Spiel ausgesucht. Wie war dein Eindruck vom HSV? 

Das Spiel war natürlich für die Zuschauer ein kleines Spektakel. Und lange Zeit auch spannender, als es das Ergebnis ausdrückt. Das Spiel hat gezeigt, welche Qualität im Kader steckt.

Bakery Jatta und Finn Porath hocken im Training gegenüber.
Frohnatur Finn Porath freut sich auf das Wiedersehen mit ehemaligen Weggefährte wie Bakery Jatta.

Du hast von 2010 bis 2017 sieben Jahre für den HSV gespielt. Zu welchen ehemaligen Mitspielern und Betreuern hast du noch Kontakt?

Ich kenne den HSV natürlich sehr gut, war dort im Nachwuchsleistungszentrum und habe auch noch den einen oder anderen engeren Kontakt. Ich habe dem Verein viel zu verdanken und freue mich daher natürlich, am Samstag viele bekannte Gesichter wiederzusehen.

In den vergangenen beiden Spielzeiten hast du in der 3. Liga bei der SpVgg Unterhaching fernab der Heimat gespielt. Nun folgte die Rückkehr in den Norden, genauer gesagt zur KSV. Wie wichtig war es dir, wieder in der Nähe deiner Heimat Fußball zu spielen? 

Nach den zwei tollen Jahren in München war es schon sehr wichtig, zurück in den Norden zu kommen und meine Familie und meine Freunde wieder um mich herum zu haben.

Deine Mutter Julia betreut Eltern heranwachsender Fußballtalenten auf dem Weg in den Profifußball. Als wie wichtig erachtest du diese Schnittstelle und inwiefern bist du in ihre Tätigkeiten eingebunden? 

Ich freue mich sehr, dass meine Mutter etwas für sich entdeckt hat, was ihr Spaß macht. Durch mich hat sie Erfahrungen sammeln, die sie jetzt an die Kinder weitergeben kann. Aber aktiv eingebunden in diese Arbeit bin ich nicht.

Du bist selbst einen spannenden Weg in den Profifußball gegangen. Wie bewertest du diesen Weg rückblickend?

Ich bewerte meinen Weg im Profi-Fußball als sehr positiv. Ich hatte schon einige Verletzungen, die mich zurück geworfen haben. Ich denke aber, dass jede Erfahrung, egal ob positiv oder negativ, einen weiterbringt und man daraus lernen kann. Ich habe schon einiges erlebt und bin auf einem guten Weg, stehe aber auf jeden Fall noch am Anfang. 

Würdest du mit dem Wissen von heute an dem einen oder anderen Punkt deiner bisherigen Laufbahn andere Entscheidungen treffen? 

Nein, ich glaube nicht. Es macht auch keinen Sinn, darüber nachzudenken. Natürlich gibt es vielleicht die ein oder andere Entscheidung, die man heute anders treffen würde, aber ich denke, dass ich auch viele richtige Entscheidungen getroffen habe.

Finn Porath im HSV-Dress im Benefizspiel gegen Buchholz.
Neben einem Bundesliga-Spiel für die Profis absolvierte Finn Porath 25 Spiele (drei Tore, zehn Vorlagen) für die HSV-Zwote in der Regionalliga Nord.

In Kiel kannst du nun in der 2. Liga die nächsten Schritte gehen und deinen Platz finden. In der Liga gegen Bielefeld und im Pokal gegen Verl wurdest du zuletzt eingewechselt und hast damit deine Einsätze vier und fünf bei den Störchen gesehen. Wie bewertest du deine persönliche Situation?

Natürlich braucht man immer ein paar Wochen, um sich an eine neue Stadt und einen neuen Verein zu gewöhnen. Aber ich bin hier sehr schnell angekommen und fühle mich sehr wohl im Verein und in der Mannschaft. Ich merke, dass ich nah dran bin, habe zuletzt meine Einsatzzeiten bekommen und mich sehr gut auf dem Platz gefühlt. Ich versuche jeden Tag, hart zu arbeiten und dem Trainer zu zeigen, dass ich bereit bin zu spielen.

Aus den letzten fünf Spielen habt ihr neun Punkte geholt. Inwieweit macht sich der Trainerwechsel von Andre Schubert zu Ole Werner in eurem Spiel bemerkbar? 

Wir haben in den letzten Wochen Stabilität und Sicherheit gewonnen. Ole Werner bereitet uns hervorragend auf den kommenden Gegner vor. Wir haben einen klaren Plan gegen den Ball und  wissen, wie wir offensiv agieren wollen. So gehen wir jede Woche mit einem guten Gefühl in das Spiel.

Der HSV kommt am Sonnabend als Tabellenführer ins Holstein-Stadion. Dort herrscht bekanntlich eine besondere Atmosphäre. Wie hast du diese bisher erlebt und auf was müssen sich die HSV-Profis einstellen? 

Das Holstein-Stadion ist schon besonders, keine klassische moderne Fußball-Arena. Dafür ist die Atmosphäre wirklich super, die Fans pushen uns extrem. Gegen den HSV wird es bestimmt noch mal besonderer. Das Stadion wird ausverkauft sein. 

Wie wollt ihr das Spiel erfolgreich gestalten und dem HSV ein Bein stellen? 

Wir haben in den letzten Wochen gezeigt, dass wir auch gegen starke Gegner wie Stuttgart, Bielefeld und Fürth mithalten können. Wir müssen zu 100 Prozent als Mannschaft auf dem Platz stehen, von der ersten Minute an wach und konzentriert sein.

Abschließend gefragt: Gegen Stuttgart warst du als Fan im Stadion zu Gast, nun bist du der Gastgeber: Wie viele Tickets musstest du für Freunde und Bekannte organisieren? 

Meine Familie wird im Stadion sein und mich unterstützen. Also sechs.