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"Es darf uns nicht zu lange ärgern"

Nachbericht

17.09.19

"Es darf uns nicht zu lange ärgern"

Eine Nacht nach dem 0:2 gegen den FC St. Pauli sprach Dieter Hecking über die Gründe der Niederlage, seine Schlüsse daraus und die Ausrichtung auf das Heimspiel gegen Aue.

Zeit wollte Dieter Hecking am Dienstagmorgen nicht verlieren. Eine (kurze) Nacht nach der 0:2-Niederlage im Derby gegen den FC St. Pauli zeigte der Cheftrainer seiner Mannschaft noch vor dem obligatorischen Auslaufen bzw. Spielersatztraining die aus seiner Sicht wichtigsten Szenen aus den 90 Minuten am Millerntor. „Es war mir wichtig, dass wir es heute Morgen gleich weghaben“, sagte Hecking in der anschließenden Medienrunde. Der 55-jährige Übungsleiter möchte die richtigen Schlüsse aus der bitteren Niederlage ziehen, den Fokus aber auch ganz schnell wieder auf die kommende Aufgabe richten. Und die heißt Erzgebirge Aue. Am Sonntag (22. September, Anstoß: 13.30 Uhr) empfangen die Rothosen die Veilchen im Volksparkstadion. „Wir müssen sehen, dass wir da wieder drei Punkte holen“, so Hecking.

Im Detail sprach der Fußballlehrer über …

Daniel Heuer Fernandes nimmt Rick van Drongelen in den Arm.
Kaum zu trösten: Daniel Heuer Fernandes versucht Unglücksrabe Rick van Drongelen nach dessen Eigentor wieder aufzubauen.

… die Analyse des Spiels: Es war sportlich ein tolles Derby. Ich denke, beide Mannschaften haben dazu beigetragen, dass der Sport im Vordergrund stand und nicht die ganzen Nebengeräusche. Dazu hat Pauli mit einer sehr guten Leistung beigetragen und wir ab der 30 Minute. Wenn es für uns darum geht, was können wir besser machen, dann müssen wir über die erste halbe Stunde reden, die nichts mit der Einstellung zu tun hat. Es sind ein paar Dinge nicht so umgesetzt worden, wie wir sie besprochen hatten, weil Pauli etwas anders gemacht hat, wie wir es erwartet hatten. Darauf hätten wir uns vor allem schneller einstellen müssen. Das ist uns nicht gelungen. Deshalb hatten wir keinen Zugriff und Pauli konnte sich immer wieder befreien. Wir standen viel zu weit auseinander. Das sind die Dinge, die wir kritisch anmerken müssen. Was wir nach der halben Stunde gespielt haben, das war richtig gut. In der Phase musst du dich belohnen.

… die Bedeutung der Niederlage: Wir wissen, dass wir die Niederlage im Rucksack drin haben und es erst in einem halben Jahr wiedergutmachen können. Von daher muss der Fokus spätestens ab morgen wieder auf Aue gerichtet sein, genauso werden wir die Woche angehen. Ich kann es nicht mehr ändern. Dass wir das Derby lieber selber gewonnen hätten, ist ja klar. Uns ärgert das, aber es darf uns auch nicht zu lange ärgern. Wir müssen sehen, dass wir am Sonntag wieder drei Punkte holen.

Hinterseer und Himmelmann schauen in einer Szene dem Ball hinterher.
Der Ball wollte einfach nicht rein: Lukas Hinterseer fand seinen Meister an diesem Abend in Robin Himmelmann.

… das nichtgegebene Tor kurz vor der Halbzeit: Es ist nicht aufzulösen. Es hätte den Spielverlauf sicher beeinflusst. Da bleibe ich bei meiner Meinung: Wenn der Linienrichter das so entscheidet, dann ist das so. Wenn man seine Positionierung im Videobild sieht, dann Hut ab, wie er das gesehen haben will. Aus dem schrägen Winkel kann man es vielleicht genau so sehen, wenn er aber auf Höhe des Balles steht, dann sieht er vielleicht, dass der Ball nicht im Aus ist. Wenn es den Videobeweis auf der Torlinie nicht gibt, dann haben wir keine Chance, das Gegenteil zu beweisen. Deshalb müssen wir es so akzeptieren. Das ist nicht der Grund, warum wir das Spiel verloren haben. Spielentscheidend waren für mich die erste halbe Stunde und das Verhalten beim 2:0.

… das Eigentor von Rick van Drongelen zum 2:0: Wir haben Spieler für gewisse Räume bei verschiedenen Varianten eingeteilt. Wenn Spieler nicht an dem Ort stehen, wo sie stehen sollen, dann sind das Dinge, die wir sehr kritisch bemerken müssen. Das darf nicht passieren. Rick war nur das Ende einer Fehlerkette. Wer Rick kennt, der weiß, dass er das Kapitänsamt, die Mannschaft und diesen Verein lebt. Im Derby ein Eigentor zu machen, ist nicht das, was er gerne machen würde.

… den eingeleiteten Prozess: Es war toll, mit vier Siegen aus fünf Spielen zu starten, aber das ist der Anfang der Saison. Dass wir nicht vor Rückschlägen gefeit sind, ist doch klar. Wir haben mit der Verletzung von Gyamerah und der Geschichte um Jatta schon einiges erlebt. Wir sind in einem Prozess, der von der Mannschaft in den ersten Wochen sehr viel abverlangt hat. Das emotionale Derby mit diesem Spielverlauf zu spielen, ist eine Erfahrung, die wir machen müssen. Die Mannschaft wird daran reifen und wachsen, da bin ich mir sicher, wenn wir in der Führung und die Mannschaft die richtigen Rückschlüsse daraus ziehen.

Das komplette Interview mit Dieter Hecking seht ihr im HSVtv.

(Kopie 1)