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0:2 - HSV unterliegt im Hamburger Stadtderby

Spielbericht

16.09.19

0:2 - HSV unterliegt im Hamburger Stadtderby

Der Hamburger SV hat am Montagabend das Derby beim FC St. Pauli mit 0:2 verloren. Diamantakos und ein unglückliches Eigentor von HSV-Kapitän van Drongelen besiegelten die bittere Niederlage.

Der HSV hat am Montagabend (16. September) mit 0:2 (0:1) beim FC St. Pauli verloren. Dimitrios Diamantakos hatte die Gastgeber in der 18. Minute verdient in Führung gebracht, denn die Hausherrn verbuchten den besseren Start in die Partie. Doch mit der Zeit fanden die Rothosen mehr und mehr zu ihrem Spiel, konnten aber speziell in der Phase nach dem Seitenwechsel selbst beste Gelegenheiten nicht zum Ausgleich nutzen. Dass ausgerechnet Kapitän Rick van Drongelen in dieser besten HSV-Phase ein Eigentor zum 0:2 unterlief, passte zu diesem Tag, an dem für den HSV irgendwie alles zusammenkam und nichts zusammenlief.

Diamantakos schirmt den Ball gegen Jung ab.
In der ersten Hälfte waren die Gastgeber - hier in Person von Torschütze Diamantakos - häufig einen Schritt schneller als die Rothosen um Gideon Jung.

Eine wackelige erste Halbzeit...

Ganze 15 Tage nach dem letzten Pflichtspiel (3:0-Heimsieg gegen Hannover 96) entschied sich Cheftrainer Dieter Hecking anlässlich des 102. Hamburger Stadtderbys für eine Änderung in der HSV-Startelf - und diese hatte verletzungsbedingte Gründe: Jan Gyamerah erlitt in der Länderspielpause einen Wadenbeinbruch und fällt damit bis auf Weiteres aus. Seinen Platz auf der Position des Rechtsverteidigers nahm Josha Vagnoman ein. Ansonsten vertraute Hecking seiner eingespielten Elf, die im bisherigen Saisonverlauf viele gute Spiele und Ergebnisse geliefert hatte.

Schon vor dem Anpfiff sorgten die HSV-Profis für den ersten Gänsehaut-Moment, als sie zum Aufwärmen allesamt mit der Nummer 2 von Teamkollege Gyamerah auf dem Trikot aufliefen und damit ihre mentale Unterstützung für den schwer verletzten Mannschaftskameraden demonstrierten. Auch die rund 2.700 mitgereisten Anhänger der Rothosen ließen sich nicht lumpen und zeigten zum Einlaufen eine große Choreo, die für einen weiteren Motivationsschub bei der Mannschaft sorgen sollte. Am Willen mangelte es schließlich in den ersten Minuten defintiv nicht, allerdings war der Hecking-Elf eine gewisse Nervosität anzumerken, so dass zunächst kein richtiger Spielfluss aufkommen wollte. Insgesamt wirkten die Gastgeber in der ersten Viertelstunde griffiger. So war es nicht verwunderlich, dass Marvin Knoll mit einem satten Fernschuss die erste Glanzparade von Daniel Heuer Fernandes hervorrief (14.). Kurz darauf war der HSV-Schlussmann allerdings chancenlos, als ein Kopfball von Knoll an den Innenpfosten klatschte und Dimitrios Diamantakos im Nachsetzen die Führung für die Kiezkicker erzielte (18.). Nach dem Gegentreffer mussten sich die Rothosen zunächst schütteln und um den Zugang ins Spiel kämpfen. Auch im zweiten Drittel der ersten Hälfte gingen allerdings viele 50:50-Zweikämpfe verloren, was das Vorhaben deutlich erschwerte. Da darüber hinaus auch der Spielaufbau über weite Strecken hakte, kam man kaum einmal in gefährliche Abschluss-Situationen. Erst kurz vor der Pause sorgte Sonny Kittel für ein Highlight, als er in der 43. Minute mit einem Volley-Geschoss den Querbalken traf. Diese Szene initiierte ein Zwischenhoch des HSV, das kurz darauf mit einem Treffer von Lukas Hinterseer gekrönt wurde, dem die Anerkennung aber verweigert wurde, weil der Ball zuvor im Aus gewesen sein soll. Somit ging es mit der knappen Führung für die Hausherren in die Kabinen.

Aaron Hunt im Zweikampf.
Mit Aaron Hunt, der zur Halbzeit eingewechselt wurde, kam neuer Schwung in das HSV-Spiel. Die Wende konnte der Mittelfeldmann allerdings nicht herbeiführen.

... und ein unglücklicher zweiter Durchgang!

Zu Beginn des zweiten Durchgangs schickte Dieter Hecking mit Aaron Hunt (für Khaled Narey) den etatmäßigen Kapitän aufs Feld - und setzte damit die Segel für einen guten Start nach Wiederanpfiff. Der HSV wirkte nun viel aggressiver und ambitionierter im Offensivspiel. Die Folge waren zwei XXL-Chancen für Hinterseer, die der Österreicher jedoch nicht verwerten konnte (53./57.). Und wie es dann eben so ist: Wenn man die eigenen Möglichkeiten nicht nutzt, folgt die Strafe auf dem Fuße.

In diesem Fall in Form eines Eigentores von van Drongelen, der das Spielgerät nach einem schnell ausgeführten Freistoß unglücklich über die Linie drückte (62.). Nach dem 2:0 für die Braun-Weißen übernahmen die Rothosen zwar sofort wieder das Zepter, bissen sich an der nun immer tiefer gestaffelten Defensive der Hausherrn allerdings weitestgehend die Zähne aus. Bis in die absolute Schlussphase hinein gelangen so kaum Durchbrüche, während der FCSP immer wieder Nadelstiche in der Umschaltbewegung setzte und dem dritten Tor damit näher war als der HSV dem Anschlusstreffer. Letztendlich fiel jedoch kein weiterer Treffer, so dass der Schlusspfiff von Referee Sven Jablonski den 2:0-Heimsieg der Kiezkicker besiegelte und für pure Enttäuschung bei den Rothosen sorgte.

Das Spiel im Stenogramm:

FC St. Pauli: Himmelmann - Ohlsson (80. Kalla), Östigard, Lawrence, Buballa - Knoll (83. Diarra), Becker - Miyaichi, Möller Daehli, C. J. Conteh (62. Penney) - Diamantakos

Hamburger SV: Heuer Fernandes - Vagnoman, Jung, van Drongelen, Leibold - Fein, Kinsombi (80. Dudziak), Kittel - Narey (46. Hunt), Hinterseer, Jatta (66. Harnik)

Tore: 1:0 Diamantakos (18.), 2:0 van Drongelen (ET)

Zuschauer: 29.546

Schiedsrichter: Sven Jablonski (Bremen)

Gelbe Karten: Diamantakos (18.), Ohlsson (72.) / Leibold (33.), Jung (60.)

Gelb-Rote Karten: - / -

Rote Karten: - / -

 

Das Spiel im Zeitraffer:

Min.
14. Den ersten Torabschluss des Spiels kann der FC St. Pauli vorweisen: Beim Distanzschuss von Knoll, der den Ball bei seiner Direktabnahme aus 22 Metern perfekt trifft, muss sich Heuer Fernandes ganz lang machen, um das Geschoss noch aus dem Eck zu fegen.
18. 1:0! Und auch das erste Tor geht auf die Gastgeber: Möller Daehli kann von links flanken und findet im Zentrum Knoll, dessen Kopfball an den Pfosten klatscht - doch Diamantakos schaltet schneller als alle anderen Akteure im Strafraum und versenkt den Abpraller per Flugkopfball.
30. Der HSV sendet ein erstes Lebenszeichen - in Form einer Hinterseer-Doppelchance. Erst versucht es der HSV-Mittelstürmer aus der Distanz, kurz darauf segelt er am Fünfmeterraum haarscharf an einer Vagnoman-Flanke vorbei.
43. Der HSV wird besser und nähert sich an: Dieses Mal ist es Kittel, der nach einer weiteren Vagnoman-Flanke 20 Meter vor dem Tor volles Risiko geht und den Ball volley nimmt - Latte! Was für ein Hammer, aber es fehlen ein paar Zentimeter zum Ausgleich.
45. Jetzt zappelt das Netz, doch der HSV-Ausgleich wird nicht anerkannt. Der Ball soll die Grundlinie überschritten haben, als Jatta ihn in die Mitte spielt, wo Hinterseer zur Stelle ist und das vermeintliche 1:1 markiert. Der Linienrichter will gesehen haben, dass der Ball in der Luft die Linie überschritten hatte...
50. Hinterseer taucht frei vor Himmelmann auf, kurz darauf kommt Jatta am Fünfer zum Kopfball - doch beide werden binnen weniger Momente zurückgepfiffen. Enge Entscheidungen...
53. Fein dribbelt sich von der Mittellinie durch die gesamte Pauli-Hälfte und lupft dann den Ball zu Hinterseer, der im Flug nochmal querlegt, doch Himmelmann rettet in höchster Not vor den heranrauschenden Kittel und Jatta.
56. Der HSV rennt an - und St. Pauli kontert gefährlich, doch Knoll verpasst die Hereingabe von Diamantakos um wenige Zentimeter.
57. Unglaubliche Szene, das muss der Ausgleich sein! Kinsombi kommt im Strafraum an den Ball und passt rüber zu Hinterseer, der frei vor dem nahezu leeren Tor steht und den Ball einschieben will, sich dabei aber ans Standbein schießt - und der Ball geht über das Tor. Verrückt!
62. 2:0! St. Pauli führt einen Freistoß nicht wie erwartet als Flanke, sondern als flache Hereingabe aus, Knoll kommt so im Zentrum an den Ball, wo van Drongelen klären will - und den Ball dabei unglücklich ins eigene Netz bugsiert. Oh Mann...
82. Das 2:0 hat dem HSV den Stecker gezogen. Zwar versuchen es die Rothosen weiter, doch Chancen springen kaum mehr heraus, dafür laufen in der Schlussphase einige Konter St. Paulis - und einen davon setzt Möller Daehli sogar an den Pfosten. Fast das 3:0...
FC St. Pauli Statistik zum Spiel Hamburger SV
10 Torschüsse 14
37% Ballaktionen in % 63%
47% Zweikampfquote 53%
74% Passquote 85%
4 Ecken 8
7 Flanken 8
1 Abseits 2
10 Fouls 9
Knoll 3 Torschüsse 5 Hinterseer
Möller Daehli 5 Torschussvorlagen 3 Fein
Knoll 56 Ballaktionen 124 van Drongelen
Buballa 86% Zweikampfquote 90% van Drongelen
*Mehrere Spieler mit dem gleichen Wert

(Kopie 4)