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"Der HSV hat die 2. Bundesliga kennengelernt"

Gegnercheck

27.09.19

"Der HSV hat die 2. Bundesliga kennengelernt"

Alexander Meyer steht beim SSV Jahn Regensburg als Nummer 1 zwischen den Pfosten. Im Gegnercheck spricht der beim HSV ausgebildete Keeper über seinen ungewöhnlichen Karriereverlauf und den Status quo bei den Rothosen.

Talentierte Jugendspieler, die den Sprung in den Profifußball schaffen können, gibt es viele. Der Durchbruch ist letztendlich aber nur wenigen vorbehalten, die meistens viele Variablen zu ihren Gunsten beeinflussen konnten. Manchmal müssen dabei Umwege genommen werden, die zunächst vielleicht wie ein Rückschritt wirken, um im Anschluss zwei Schritte voranzukommen. Ein Paradebeispiel für diese Art von Karriereverlauf ist Alexander Meyer. Der Keeper wurde beim HSV ab der C-Jugend ausgebildet, durchlief alle Jugendmannschaften und durfte in jungen Jahren bei den Profis mittrainieren. Auch aufgrund einer schweren Schulterverletzung reichte es letztendlich nicht für eine Perspektive in der Ligamannschaft, so dass sich der gebürtige Bad Oldesloer nach sieben Jahren bei den Rothosen für einen Tapetenwechsel entschied. Über den TSV Havelse, Energie Cottbus und den VfB Stuttgart führte der weiterhin von Verletzungen geprägte Weg schließlich im vergangenen Sommer nach Regensburg, wo der inzwischen 28-Jährige seit Saisonbeginn als Stammkeeper beim SSV Jahn zwischen den Pfosten steht. 

Dank seiner körperlichen Voraussetzungen (1,95 Meter, rund 90 Kilogramm) strahlt Meyer eine enorme Präsenz aus und überzeugt darüber hinaus mit starken Aktionen in der Ziel- und Raumverteidigung. Diese Attribute sorgen mit dafür, dass der SSV trotz des suboptimalen Saisonstarts (sieben Punkte aus sieben Spielen) erst elf Gegentore verkraften musste, so dass die Rot-Weißen als einzige Mannschaft aus der unteren Tabellenhälfte ein positives Torverhältnis (+2) aufweisen können. Dennoch wünscht sich der Protagonist des HSV.de-Gegnerchecks insgesamt eine schnellstmögliche Steigerung, die durch ein gutes Spiel gegen seinen Herzensverein am kommenden Sonnabend (28. September, Anstoß: 13 Uhr, live im HSVnetradio) angestoßen werden könnte. Aber auch die ehemalige Rothose weiß, dass der HSV die 2. Bundesliga inzwischen kennt und seit dem großen Umbruch im Sommer einen großen Entwicklungsschritt genommen hat. 

Alexander Meyer nimmt Paolo Guerrero den Ball ab.
Im Januar 2009 absolvierte Alexander Meyer das Winter-Trainingslager in Dubai bei den HSV-Profis. In dieser Szene versucht er Paolo Guererro die Kugel vom Fuß zu nehmen.

Alex, du kommst gebürtig aus Bad Oldesloe in Schleswig-Holstein und bist in der C-Jugend zum HSV gewechselt. Wie kam damals der Kontakt zustande?

Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. (lacht) Es war der 13. April, mein Geburtstag. Wir spielten an diesem Tag mit dem VfL Oldesloe gegen einen Gegner aus der Region. Nach dem Spiel sprach mich ein Scout des HSV an und fragte mich, ob ich nicht Lust hätte ein Probetraining zu absolvieren. Das habe ich dann gemacht und glücklicherweise habe ich dann eine Chance im Nachwuchs des HSV bekommen.

Bei den Rothosen hast du alle weiteren Jugendmannschaften durchlaufen, bist in die U23 aufgerückt und hast bei den Profis trainiert. Warum hat es letztendlich nicht für einen Einsatz gereicht?

Ich war ja damals 2009 noch als A-Jugend-Spieler mit im Wintertrainingslager in Dubai. Auch anschließend durfte ich noch oft mit den Profis trainieren. Leider habe ich mich dann aber im Sommer kurz vor dem Start in die Vorbereitung an der Schulter verletzt. Das hat mich sehr zurückgeworfen. Immerhin war es mit 18, 19 Jahren meine erste größere Verletzung und ich fiel für zehn, elf Monate aus. Wie das dann eben so ist, hat der Verein in der Zwischenzeit einen neuen Torhüter verpflichtet und ich habe nach meiner Rückkehr nur noch in der zweiten Mannschaft gespielt.

Du sprichst die Verletzungen an. Im Laufe deiner Karriere haben dich - vor allem an der Schulter -  einige davon ereilt. Wie hast du es trotzdem geschafft, dich im Profifußball zu etablieren?

Ich bin jemand, der immer hart an sich arbeitet, und versucht auch in schweren Situationen das Positive zu sehen. So bin ich auch mit meinen Verletzungen umgegangen. Ich habe trotz der Rückschläge immer daran geglaubt, dass ich Profi werden kann. Ich glaube, das ist auch der Grund dafür, dass ich es letztlich geschafft habe aus jeder Verletzung stärker zurückzukommen.

Im August 2017 hast du für Energie Cottbus eine überragende Partie im DFB-Pokal gegen den VfB Stuttgart abgeliefert. Kurz darauf haben dich die Schwaben für die Bundesliga-Mannschaft verpflichtet. War dieses Spiel das wichtigste deines Lebens?

(lacht) Ob das jetzt das wichtigste Spiel meines Lebens war, weiß ich nicht. Auf jeden Fall hat an diesem Tag alles gepasst. Man sagt ja oft, dass man manchmal einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein muss. Das war ich. Der Torwart-Trainer des VfB kannte mich schon aus meinen vorherigen Stationen und an diesem Tag konnte ich die Verantwortlichen mit einer guten Leistung von meinen Fähigkeiten überzeugen.

Über den TSV Havelse, Energie Cottbus und eben den VfB Stuttgart hat dich der Weg im vergangenen Sommer zum SSV Jahn Regensburg geführt, wo du dich sofort als Stammkeeper etabliert hast. Ist das aktuell die beste Phase deiner Laufbahn?

Ja, das würde ich auf jeden Fall so bestätigen. Dass ich inzwischen endgültig im Profibereich angekommen bin, noch dazu als Nummer 1 in der 2. Bundesliga, ist etwas, wovon ich früher nur geträumt habe. Aber ich sehe es so, dass es jetzt erst richtig losgeht.

Alexander Meyer klatscht mit Fans ab.
Beim SSV Jahn Regensburg fasste Nordlicht Alexander Meyer sofort Fuß und etablierte sich als Stammkeeper. Bis dato absolvierte er alle acht Pflichtspiele der Saison 2019/20 über die volle Distanz.

Parallel zu deiner Ankunft beim SSV ist Achim Beierlorzer zum 1. FC Köln gewechselt, dafür hat sein bisheriger Assistent Mersad Selimbegovic übernommen. Welchen Fußball möchte der junge Coach von euch sehen?

Der Trainer steht für die klare Spielidee des SSV Jahn. Er fordert sehr zielstrebigen Fußball. Wir wollen dem Gegner Probleme bereiten und nach der Balleroberung schnell den Weg zum Tor suchen und uns so möglichst viele Gelegenheiten herausarbeiten.

Obwohl seit deinem Abgang schon mehr als sieben Jahre vergangen sind: Hast du noch heute Kontakt zu Spielern oder Verantwortlichen beim HSV?

Nein, im Verein hat sich seit meinem Wechsel damals viel verändert und ich kenne tatsächlich keinen Spieler oder Verantwortlichen mehr persönlich. Das ist aber durch den steten Wechsel im Fußball auch ganz normal.

Einen steten Wechsel gab es im vergangenen Sommer auch im HSV-Kader, der massiv verändert wurde. Wie bewertest du die Entwicklung bei den Rothosen?

Mein Eindruck ist, dass der HSV die 2. Bundesliga über das vergangene Jahr kennengelernt und festgestellt hat, dass es nicht einfach ist, aus dieser Liga wieder aufzusteigen. Ich glaube, dass daraus die richtigen Schlüsse gezogen wurden. Aktuell macht es der HSV jedenfalls sehr gut.

Der Saisonstart mit dem Jahn hingegen verlief nicht optimal, aktuell steht ihr bei sieben Punkten. An welchen Stellschrauben muss gedreht werden, um den sportlichen Turnaround zu schaffen?

Stimmt, mit der Punktausbeute sind wir nicht zufrieden. Wir sind aber dennoch auf dem richtigen Weg. Man muss bedenken, dass es auch bei uns einen großen personellen Wechsel mit neuem Chef-Trainer und vielen Ab- und Zugängen gab. Wichtige Leistungsträger haben den Jahn verlassen, dennoch haben wir uns schnell gefunden. Jetzt gilt es noch an vielen Kleinigkeiten, zum Beispiel der letzten Konsequenz vor dem Tor, zu arbeiten.

Am Sonnabend steht gerade für dich ein spezielles Spiel auf der Agenda. Was sind deine Erwartungen an die Partie?

Das wird wieder eine schöne Kulisse bei uns in Regensburg. Wir wollen das genießen und uns endlich auch wieder belohnen. Wir haben zuletzt gute Spiele abgeliefert, aber nichts mitgenommen. Das möchten wir am Sonnabend ändern.


Fotoquellen:

Oben: Köglmeier
Unten: Janne