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Interview

02.12.21

Vuskovic: „Ich liebe es, eine Grätsche zu feiern“

Im Interview mit HSV.de spricht der kroatische Verteidiger über seine Mentalität auf dem Platz, seine ersten Monate in Hamburg und sein besonderes Verhältnis zu Marko Johansson.

Durch die Mixed Zone im Volksparkstadion sind am Mittwochnachmittag immer wieder Schreie und Jubellaute zu hören. Der Grund: Mario Vuskovic (20) und Marko Johansson (23) duellieren sich nach der Einheit auf dem Trainingsplatz noch ausgiebig an der Teqball-Platte. Und wer das schwedisch-kroatische Duo in den letzten beiden Heimspielen gegen Regensburg (4:1) und Ingolstadt (3:0) auf dem Rasen beobachtete, kann sich sofort vorstellen, dass auch bei diesem Match sehr viele Emotionenen aufkommen. Vor dem Duell auf der gewölbten tischtennis-artigen Platte sprach HSV.de mit Vuskovic über seine ersten Wochen beim HSV, die Mentalität auf dem Platz, das System von Tim Walter, Navigationsprobleme in Hamburg und seine besondere Beziehung zu seinem Teqball-Partner Marko Johansson.

Mario, in den letzten beiden Heimspielen gegen Regensburg und Ingolstadt durftest du über 90 Minuten in der Innenverteidigung ran, dabei sprangen zwei Heimsiege heraus. Bist du jetzt so richtig beim HSV angekommen?  

Vuskovic: Die beiden Spiele waren wirklich sehr schön für mich, weil wir sie gewonnen und in zwei Spielen nur ein Gegentor kassiert haben. Das gab der Defensive um Bascho, Marko und mir eine Menge Selbstvertrauen, gerade die letzte Partie gegen Ingolstadt mit der weißen Weste war sehr gut. Es ist natürlich immer etwas anderes, wenn du selber auf dem Platz stehst und 90 Minuten etwas dazu beitragen kannst.  

In den ersten Wochen gab es nicht so viel Spielzeit für dich. Wie schwer ist es dir in dieser Zeit gefallen?

Jeder Spieler hat das Ziel, immer zu spielen. Aber wenn du am letzten Tag der Transferperiode zu einem neuen Verein in ein neues Land kommst, dann musst du Geduld haben und jeden Tag hart an dir arbeiten. Das habe ich gemacht. Jetzt bin ich dankbar dafür, dass ich die Chance in der Startelf bekommen habe.

Trainer Tim Walter hatte zu Beginn gesagt, dass du noch deine Zeit brauchst, um alle Abläufe zu verinnerlichen. Wie schwer war es, sich an das neue Spielsystem des HSV zu gewöhnen?

Ich denke, dass ich mich immer noch daran gewöhne. Es ist teilweise wirklich eine andere Art von Fußball, als der, den wir zum Beispiel bei Hajduk Split gespielt haben. In den ersten Wochen war es teilweise schwer, alle Abläufe mit Ball und auch mit dem Torwart mitzugehen, aber mittlerweile fühle ich mich sehr wohl und sicher auf dem Platz. 

Hast du in dieser Zeit mehr mit dem Analyse-Team zusammengesessen oder dir selber Videos von den Spielen angeschaut?

Wir haben viele Coaches im Trainerteam. Die haben mir immer wieder Szenen aus dem Training oder den Spielen gezeigt. Wir haben wirklich alle Details analysiert und jede kleine Ballberührung angeschaut. Dadurch entwickeln wir uns alle jeden Tag weiter. Das ist sehr gut und ein sehr hoher Level der Professionalität.

Inwieweit hilft es dir, neben Kapitän Sebastian Schonlau zu spielen?

Bascho ist ein sehr erfahrener Spieler, der sogar schon Bundesliga gespielt hat. Zudem kennt er das System beim HSV schon länger als ich. Ich kann jeden Tag von ihm lernen und er unterstützt mich immer.

Was sind die größten Unterschiede beim HSV und in der deutschen 2. Liga im Vergleich zu Hajduk Split? 

Beide Vereine sind sehr große Clubs in ihren Ländern. Der Druck und die Aufmerksamkeit bei Hajduk sind genauso wie hier. In Split kennt jedes Kind den Verein. Dort ist es auch normal, dass alles vom Ergebnis abhängt. Wenn du verloren hast, ist es nicht so schön. Hier ist es ähnlich verrückt. 

Und wie ist es im sportlichen Vergleich?

In der 2. Liga ist die Intensität im Vergleich zum kroatischen Fußball noch größer. In Kroatien wird viel Wert auf Technik gelegt. Hier musst du noch mehr hoch und runter rennen. Auch als Verteidiger habe ich hier Werte über elf Kilometer im Spiel. 

Der Wechsel zu einem neuen Club in ein neues Land ist nicht nur sportlich schwierig, sondern auch abseits des Platzes. Wer hat dir in den ersten Monaten geholfen?

In den ersten Wochen war meine Mutter hier und hat mich unterstützt. Jetzt ist meine Freundin zu mir gezogen. Es ist gut, wenn du jemanden an deiner Seite hast, damit du nicht alleine bist mit den ganzen Herausforderungen. 

Was war die Größte in Hamburg?

Die Stadt ist wirklich groß. Ich habe mich schon ein paar Mal verfahren, auch wenn ich ein Navigerät in meinem Auto habe. Jetzt bin ich aber schon einige Monate hier und fühle mich wirklich wohl. 

Die meisten Spieler im HSV-Kader sind relativ jung. Wie trägt das zum Zusammenhalt der Mannschaft bei, insbesondere für diejenigen, die noch kein Deutsch sprechen?

Wir haben einen tollen Spirit im Kader. Das kommt auch, weil viele im gleichen Alter sind. Wir verstehen uns wirklich gut. Das hat die Eingewöhnung für mich sehr einfach gemacht.  

Einen besonders guten Draht scheinst du zu Marko Johansson zu haben. Was macht eure Verbindung aus?

Markos Eltern kommen aus Serbien und er spricht auch die Sprache. Diese ist sehr ähnlich zum Kroatischen. Deshalb können wir uns sehr gut verständigen. Das hilft uns auch auf dem Platz. Wir verstehen uns aber nicht nur aufgrund der Sprache. Er hat auch die gleiche Mentalität wie ich. Das verbindet uns. 

Apropos Mentalität. Eine Sache, die uns bei dir und bei Marko aufgefallen ist, ist das Bejubeln von guten Aktionen, bei dir zum Beispiel bei einer gelungenen Grätsche. Sind das als Abwehrspieler deine Tore?

Als Verteidiger musst du alles dafür tun, die Tore zu verhindern. Wenn ich im Spiel eine gute Aktion wie zum Beispiel eine Grätsche habe, liebe ich es, das auch zu feiern. Das gibt mir und dem ganzen Team eine zusätzliche Motivation und Selbstvertrauen auf dem Platz. 

Ist es für dich so schön wie ein Tor?

Ich mag es auch, Tore zu schießen. (lacht) Das ist noch schöner. Gerade für einen Verteidiger ist das noch einmal das absolute Plus.

Bei Hajduk Split hast du sogar Freistöße geschossen.

Ja, das stimmt. In meiner letzten Saison dort durfte ich das. Darauf musste ich aber auch zwei Jahre lang warten. Beim HSV ist Sonny ist ein sehr guter Freistoßschütze. Da muss ich mich noch hintenanstellen. Ich hoffe, dass er mich vielleicht eines Tages schießen lässt (lacht).

Wir drücken die Daumen und danken für das Gespräch.