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Interview

09.12.21

Heyer: „Wir haben ein gewisses Selbstverständnis entwickelt“

Im Interview mit HSV.de spricht Defensiv-Allrounder Moritz Heyer über das seltene Gefühl einer Niederlage, die Entwicklung der Mannschaft und das bevorstehende Duell mit dem F.C. Hansa Rostock und seinem Kumpel Bentley Baxter Bahn. 

Beim 0:1 in Hannover musste der Hamburger SV nach 13 ungeschlagenen Pflichtspielen in Serie wieder eine Niederlage hinnehmen. Für Allzweckwaffe Moritz Heyer, der am 3. Spieltag bei der zuvor letzten Niederlage ohne Einsatz blieb, war es gar die erste Saisonniederlage, bei der er aktiv auf dem Platz stand. Für den 26-jährigen Defensiv-Allrounder, der seit seinem Wechsel zum HSV im Sommer 2020 satte 47 von 50 möglichen Zweitliga-Spielen bestritt, bedeutet diese Niederlage aber keinen Rückschlag. Vielmehr sieht Heyer die Rothosen auf einem guten Weg, wie er im Gespräch mit HSV.de erklärt. Dabei freut sich der gebürtige Niedersachse auf das bevorstehende Duell mit dem F.C. Hansa Rostock, wo er auf seinen alten Weggefährten und Kumpel Bentley Baxter Bahn trifft.        

Mo, nach 13 ungeschlagenen Spielen in Serie habt ihr in Hannover wieder eine Partie verloren. Wie ungewohnt war es, nach so langer Zeit mal wieder als Verlierer den Platz zu verlassen?

Moritz Heyer: Die Niederlage war aufgrund des Spielverlaufs verdammt ärgerlich und hat dementsprechend richtig genervt. Trotz unserer Serie war dieses Gefühl aber nicht ganz neu, da wir bei vielen Unentschieden auch das Gefühl hatten, dass mehr drin gewesen wäre. Da fühlten sich einige Unentschieden schon wie Niederlagen an. Aber natürlich ist es nochmal anders, wenn man ganz ohne Punkt vom Platz gehen muss.        

Bei der ersten Saisonniederlage gegen den FC St. Pauli hast du nicht auf dem Platz gestanden. Inwieweit unterscheidet es sich von der persönlichen Wahrnehmung, ob man bei einer Niederlage auf der Bank saß oder auf dem Platz dabei war?

Das macht keinen Unterschied. Auch wenn man nicht auf dem Platz steht, fühlt man den Schmerz einer Niederlage. Man verliert nie gern, das ist ganz klar. Daher habe ich gegen den FC St. Pauli gleich gefühlt, als wir verloren haben. Die Stimmung ist allgemein schlecht und auch der Tag oder die Tage danach sind gewöhnungsbedürftig. Doch das gehört in der Aufarbeitung von Niederlagen dazu. 

Gestern stand das erste Training zur Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Rostock auf dem Programm. Du hast nach dem Spiel in Hannover gesagt: „Das wirft uns nicht um. Zwei Tage ärgern und dann geht es weiter.“ Hast du das Gefühl, es ist schon alles abgeschüttelt?

Auf jeden Fall, das Spiel haben wir bereits am Montag mit der Videoanalyse abgehakt. Wir konzentrieren uns jetzt voll auf die nächste Aufgabe gegen Rostock und haben auch schon wieder eine gute Stimmung in der Kabine. Allgemein haben wir durch unsere Serie ein gewisses Selbstverständnis entwickelt. Die komplette Hinrunde ist jetzt fast vorbei und wir haben nur zwei Spiele verloren. Wir haben also trotz der Niederlage in Hannover einen guten Lauf und brauchen uns vor niemanden zu verstecken.  

Wie nimmst du die generelle Entwicklung, speziell im Defensivbereich, wahr? In den letzten drei Spielen gab es nur zwei Gegentore.

Ich glaube, dass unsere Defensive auch schon in den Spielen zuvor ganz ordentlich war, aber die Gegner aus ihren Möglichkeiten auch einfach viel gemacht haben. Insgesamt entwickeln wir uns von Spieltag zu Spieltag weiter. Wir spielen mittlerweile mehr und mehr den Fußball, den wir auch spielen wollen – gerade auch im defensiven Bereich und bei der Spieleröffnung. Das ist schon ganz gut, kann aber auch immer noch besser werden. 

Von der Abwehrreihe inkl. Torwart des ersten Saisondrittels ist verletzungsbedingt nur noch Sebastian Schonlau übriggeblieben. Was sind die Gründe dafür, dass ihr diese viele Umstellungen als Mannschaft so gut auffangen konntet?

Wir trainieren ja tagtäglich zusammen, spielen in den Trainingseinheiten in unterschiedlichen Formationen zusammen. Wir haben eine gewisse Breite und Qualität in der Mannschaft. Niemand weicht nach unten hin ab, so dass es mich überhaupt nicht wundert, dass wir trotz der Umstellungen aktuell so gut klarkommen. Jeder gibt im Training Gas, jeder wartet auf seine Chance, jeder will diese Möglichkeit nutzen, wenn sie kommt. Diesen Spirit haben wir in den letzten Wochen gesehen, als der eine oder andere Leistungsträger weggebrochen ist und die Jungs, die nachgekommen sind, es richtig gut gemacht haben. Das spricht für den Kader, die Mentalität und auch die Prozesse der Mannschaft. Es ist auch recht einfach, reinzurutschen, da jeder genau weiß, was gefordert ist.  

In der ersten Hälfte der Hinserie hast du im Mittelfeld gespielt, warst zwischenzeitlich einer der Top-Torjäger. Wie war es für dich persönlich, jetzt wieder eine Reihe weiter hinten als Rechtsverteidiger ranzumüssen? 

Anfangs war es ungewohnt, da ich diese Position in den letzten Jahren nicht allzu oft gespielt habe. Ich habe für die Umstellung sicherlich ein Spiel benötigt, da die Abläufe auf der Außenbahn immer anders sind als im Zentrum. Als Rechtsverteidiger ist es zum Beispiel wichtig, dass ich die innere Linie dichthalte, darauf achte, dass der Ball nicht zwischen Innen- und Außenverteidiger durchkommt. Als zentraler Mittelfeldspieler ist das nicht so wichtig, das ist der Job eines Außenverteidigers. Mittlerweile habe ich mich aber ganz gut darauf eingestellt.  

Jetzt hast du seit fünf Spielen nicht getroffen, wartest auf dein sechstes Saisontor. Bei einem Stürmer würde man die Frage nach einer Tor-Krise stellen. Wurdest du darauf schon angesprochen?

(lacht) Auf jeden Fall hatte ich trotz meiner neuen Position die eine oder andere Szene, die zu einem Tor führen muss. Ich erinnere mich da an Abschlüsse in Karlsruhe und gegen Regensburg, wo ich hätte treffen können, aber wegrutsche oder am leeren Tor vorbeischieße. Ich hätte also schon gern noch ein weiteres Tor gemacht und hoffe, dass das in diesem Jahr noch klappt. Sollte ich weiterhin torlos bleiben und wir beide Spiele gewinnen, unterschreibe ich das aber natürlich auch direkt. 

Wie schätzt du den kommenden Gegner Hansa Rostock ein. Worauf kommt es im Heimspiel am Sonntag an?

Hansa Rostock wird alles in dieses Spiel reinwerfen. Wahrscheinlich verteidigen die Rostocker etwas tiefer und versuchen mit ihrer Mentalität, die sie unumstritten haben, uns das Leben schwerzumachen. Für uns wird das nicht leicht, da sie relativ schnelle Spieler im Angriff haben, die sie versuchen, durch Umschaltmomente ins Spiel zu bringen. Es wird ein schwieriges Spiel für uns, aber wir wollen auf jeden Fall zum Jahresabschluss an die vergangenen beiden Heimspiele anknüpfen und nochmal sechs Punkte holen. Am Wochenende geht´s mit dem Spiel gegen Rostock damit los. 

Abschließend: Welche persönlichen Verbindungen gibt es für dich zum kommenden Gegner? 

Ich habe mit Nico Neidhart in Lotte und Bentley Baxter Bahn in Halle zusammengespielt. Zu Bentley besteht noch regelmäßiger Kontakt. Wir haben die Tage noch geschrieben. Er freut sich schon auf das Spiel und hat gesagt, er würde mich schwindelig spielen – da bin ich mal gespannt. (lacht) Spaß beiseite: Ich freue mich auch auf das Wiedersehen, kenne seine Spielweise aber ganz gut und bin zuversichtlich, falls es auf dem Platz zum direkten Duell kommt.